Für Generationen von Studierenden war das 15-stöckige Gebäude auf dem Gutenberg-Campus nicht nur ein einfaches Wohnheim - es war ein echtes Zuhause während des Studiums, ein Ort der Lebensfreude und für große Feiern in der Gemeinschaft. Nun hat der Rückbau begonnen, und viele Ehemalige blicken wehmütig zurück.


Rückbau des Inter 1 begann mit dem Abriss des 15. Stockwerks (Foto: S. Sämmer / LBB)

„Campuskultur! Heiße Debatten! Krasse Partys! Ach ja … Es waren gute Jahre!“ schreibt eine ehemalige Bewohnerin auf ihrem persönlichen Blog. Die letzten 196 Bewohnerinnen und Bewohner lebten bis zum endgültigen Auszug im Jahr 2015 in offenen Wohngemeinschaften auf den einzelnen Stockwerken mit Gemeinschaftsduschen, -küchen und einem Aufenthaltsraum. Während in später gebauten Wohnheimen den Bewohnerinnen und Bewohnern häufig die Vorteile von eigenen Kochnischen und Bädern zuteil wurden, trugen diese gemeinsam genutzten „WG-Bereiche“ für viele Studierende zu einem besonderen Gemeinschaftsgefühl bei.

Zwar war das Hochhaus mit seiner achteckigen Form architektonisch eine Besonderheit, doch war es für viele eher der Ausblick aus dem Gebäude über den Campus und vom Dach bis nach Frankfurt, der den Reiz des Gebäudes ausmachte.

Inter-1-Bar - Die Nummer 1 in Mainz

Wer Kontakt zu anderen „Insassen“ suchte, für den war die Inter-1-Bar im Keller des Nebengebäudes der richtige Anlaufpunkt. Von der studentischen Wohnheimvertretung organisiert, war die Inter-1-Bar lange Zeit die bekannteste und beliebteste Wohnheimbar in Mainz. Lange Abende und oft auch frühe Morgen trugen bei vielen Besucherinnen und Besuchern zwar oft zur Völkerverständigung bei, aber nicht unbedingt zu einem schnelleren Studienverlauf.

In früheren Jahren machte auch der Spitzname „Inter-Puff“ die Runde, denn im Gegensatz zu anderen Wohnheimen waren die Flure gemischt-geschlechtlich belegt. Die großen Doppelzimmer (19 m²) wurden zeitweise noch an „verheiratete Pärchen“ vergeben, bevor sie zu beliebten Einzelzimmern wurden. Die kleineren „Aufzugszimmer“ waren intern mit nur 10 m² dagegen nicht so beliebt. Im Vergleich zu anderen Wohnheimen waren die Mieten jedoch sehr günstig, was häufig zu längeren Wartezeiten für einen Wohnheimplatz im Inter 1 führte.

Bewegte Geschichte - Der Überfall der iranischen Pasdaran im Jahr 1982

Am Abend des 24. April nähern sich ca. 200 bewaffnete iranische "Revolutionswächter" dem Inter1 und zerstören elf Zimmer im siebten, achten und neunten Stock. 28 iranische Studierende wurden zum Teil schwer verletzt und eine deutsche Studentin stirbt am darauf folgenden Tag an den Folgen des Überfalls.
Mehr zu den Hintergründen auf Wikipedia
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Das Inter 1 wurde im Jahr 2020 komplett eingerüstet, um den Abriss vorzubereiten

Die zwischenzeitlichen Pläne, das Wohnheim nach einer Kernsanierung in ein Büro- und Seminargebäude eines neuen Medienhauses umzuwandeln, mussten nach langer Vorlaufzeit aufgrund der zu schlechten Betonqualität verworfen werden. Intensive Untersuchungen nach der Räumung des Gebäudes im Jahr 2015 hatten ergeben, dass die Sanierung nicht wirtschaftlich gewesen wäre, teilte der Staatssekretär des rheinland-pfälzischen Finanzministeriums Stephan Weinberg in einem Gespräch mit der Allgemeinen Zeitung zu Beginn des Jahres 2019 mit.

Erst Schadstoffsanierung - dann Abriss

Im Jahr 2021 wurde nun mit dem Abriss begonnen. Um die in der Fassade noch vorhandenen Schadstoffe zu entfernen, wurde im vergangenen Jahr zuerst ein Gerüst gebaut, bevor derzeit das Gebäude Stockwerk für Stockwerk abgetragen wird.

Für die ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner wird das legendäre Wohnheim auf jeden Fall in ihren Erinnerungen weiter existieren.

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