Mit 16.257 Quadratmetern, 20 Seminarräumen, mehreren PC-Pools und über 200 Dienstzimmern ist das Georg-Forster-Gebäude Heimat für die Institute der Erziehungswissenschaft, Soziologie, Politikwissenschaft, Publizistik und Kunstgeschichte. Das grüne Äußere des Gebäudes ist dabei nur eines seiner Markenzeichen. Immer wieder sieht man Studierende, Gäste und Mitarbeitende an der Fassade des Haupteingangs verweilen - vertieft in die Lektüre der vielen Zitate, die auf die Glasfassade gedruckt sind.

Allegorie der Wissenschaft

Die Ebenen dahinter sind über einen großen Luftraum miteinander verbunden und ermöglichen im Treppenhaus den „Durchblick“ nach draußen. „Das Geschriebene ist von außen noch spiegelverkehrt und wird nach dem Eintritt in das Gebäude erst lesbar. Eine Allegorie für die komplexen wissenschaftlichen Denkprozesse in diesem Haus.“ erklärt Prof. Gregor Daschmann, der in der Planungsphase des Gebäudes die Idee lieferte und auch die Auswahl der Texte übernahm. Für ihn erinnert die Fassade an Goethes „Gedichte sind gemalte Fensterscheiben“ in dem auch erst nach Betreten der Kirche, die volle Pracht der farbigen Scheiben deutlich wird, während sie von außen noch keine Geschichten erzählen.

Gedichte sind gemalte Fensterscheiben!
Sieht man vom Markt in die Kirche hinein,
Da ist alles dunkel und düster;
Und so sieht's auch der Herr Philister:
Der mag denn wohl verdrießlich sein
Und lebenslang verdrießlich bleiben.

Kommt aber nur einmal herein,
Begrüßt die heilige Kapelle;
Da ist's auf einmal farbig helle,
Geschicht und Zierat glänzt in Schnelle,
Bedeutend wirkt ein edler Schrein;
Dies wird euch Kindern Gottes taugen,
Erbaut euch und ergötzt die Augen!

- Johann Wolfgang von Geothe

Die insgesamt rund 500 Zitate auf der Fassade geben berühmte, richtungsweisende, pointierte oder auch humorvolle Zeilen zu den Themen Wissenschaft, Forschung und Erkenntnis wieder – und stammen von 250 klugen Köpfen. Die Sammlung ist weder chronologisch geordnet noch erhebt sie einen Anspruch auf Vollständigkeit. Nicht alle Zitate stammen von Wissenschaftlern und nicht alle sind in Wortlaut oder Inhalt historisch gesichert. Vorrangiges Ziel dieser Sammlung ist es nicht, Aussagen historisch exakt darzustellen, sondern die über Jahrhunderte andauernde erkenntnistheoretische Debatte in der Wissenschaft zu skizzieren und die sich darin dokumentierende fortschreitende Reflektion sichtbar zu machen. Es ist ein Kaleidoskop kurzer und prägnanter Aussagen, die zum Verweilen und Nachdenken anregen sollen - manchen mag man beipflichten, anderen mag man widersprechen.

Oft tiefgründig, teilweise zum Schmunzeln

Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen der in diesem Haus beheimateten Fächer haben zu dieser Sammlung wertvolle Anregungen beigesteuert und ihre Lieblingszitate mit eingebracht. Zu seinen Favoriten unter den Zitaten befragt, fällt Prof. Daschmann zuallererst folgendes ein: „In Zeiten von lauten Dogmatikern und der Debatte über Fakenews, ist mir ein Zitat des Forschungsreisenden Alexander von Humboldt besonders wichtig ‚Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben‘.“

Bei aller Tiefgründigkeit dieser und weiterer Zeilen auf der Fassade, fügt er hinzu: „Wenn Sie etwas schmunzeln wollen, dann empfehle ich Ihnen einmal nach einem Zitat von Richard P. Feynman auf der Fassade zu suchen.“

Sollten Sie das Zitat auf der Fassade nicht selbst suchen wollen: Hier können Sie alle auf der Fassade gedruckten Zitate lesen und durchsuchen.

Quelle: https://www.sozialwissenschaften.uni-mainz.de/durchblick-die-glasfassade-des-georg-forster-gebaeudes/

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Max Lindemann

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