In Doha war es bereits nach Mitternacht, als Niklas Kaul bei der letzten Disziplin des Zehnkampfs, dem 1500-Meter-Lauf, mit weitem Vorsprung vor seinen Konkurrenten durch das Ziel lief. Nach drei persönlichen Bestleistungen am zweiten Wettkampftag war der in Mainz geborene Sportler, der parallel zu seiner sportlichen Karriere ein Lehramtsstudium in Physik und Sport an der JGU absolviert, plötzlich König der Athleten bei den Leichtathletikweltmeisterschaften.

In den Disziplinen Stabhochsprung (5,00 m); Diskuswurf (49,20 m) und Speerwurf (79,05 m) schraubte Niklas Kaul seine Bestleistungen an diesem Tag nach oben und stand am Ende mit 8691 Punkten als jüngster Weltmeister in der Geschichte des Zehnkampfs ganz oben auf dem Siegerpodest. Für ihn selbst, die mitfiebernden Eltern auf der Tribüne und die Fans in Deutschland war der Erfolg eine Riesenüberraschung. Zwar habe er mit einer Medaille geliebäugelt, aber dass es so gut läuft, damit habe er nicht gerechnet.

Eintrag ins Goldene Buch

Nach der Rückkehr nach Mainz freute ihn besonders die Begrüßung durch Freunde aus Mainz und vom Universitäts-Sportclub (USC Mainz) im Rathaus. Dort trug er sich in das Goldene Buch der Stadt ein und präsentierte seine Goldmedaille. Die Landeshauptstadt Mainz sei stolz auf ihn, sagte der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling.

Niklas Kaul empfand diese ersten Stunden in der Heimat fast wie im Schlaf: „Ich habe in den letzten zwei Nächten jeweils eineinhalb Stunden geschlafen", sagte er. Doch der eigentliche Marathon sollte erst noch folgen. Am Abend des gleichen Tages war er zu Gast im „Aktuellen Sportstudio“ beim ZDF auf dem Lerchenberg in Mainz. Zwar sei der Schlaf in den vergangenen Tagen etwas zu kurz gekommen, aber es mache „einen riesen Spaß von Termin zu Termin zu laufen und das Ganze in sich aufsaugen zu dürfen“.

Zurück an seiner Universität

Trotz des vollen Terminplans und den vielen Medienanfragen nahm sich Kaul auch die Zeit für verschiedene Termine an seiner Universität. Bei der offiziellen Begrüßung der Erstsemester durch den Präsidenten der JGU, Prof. Dr. Georg Krausch, trug sich der Sportler vor seinen neuen Kommilitoninnen und Kommilitonen in das Goldene Buch der Universität ein. "Ich glaube, ich habe noch nie vor so vielen Leuten gesprochen", gesteht Kaul und bedankt sich am Redepult bei der JGU für die Unterstützung seiner dualen Karriere und die Möglichkeit der Nutzung der universitären Sportstätten durch seinen Verein.

Der Wiedereinstieg in den Studienalltag wurde dem derzeit wohl bekanntesten Studierenden des Instituts für Sportwissenschaft in der ersten Semesterwoche mit einem Empfang im Hörsaal auf dem Sportgelände des Campus „vergoldet“. Der Dekan des Fachbereichs 02, Prof. Dr. Gregor Daschmann, moderierte die Veranstaltung, an der alle Studierenden und sportinteressierte Externe teilnehmen konnten. Anschließend eröffnete Kaul mit seinen Kommilitonen aus der Fachschaft Sport die Semestereröffnungsfete.

Ehrungen nicht nur in Mainz

Nach Semesterbeginn rissen die Terminanfragen nicht ab: Neben den zahlreichen Interview-Terminen, Gesprächsrunden und Empfängen an der JGU, wurden ihm auch weitere Ehrungen zu Teil. Er reiste in das estnische Tallin, um als „Rising Star“ der europäischen Leichtathletik ausgezeichnet zu werden oder bekam in Baden-Baden den Bambi verliehen. „Es ist wichtig, dass man auch außerhalb des Sports präsent ist. Das kann der Leichtathletik und speziell dem Zehnkampf helfen“, erklärte er bei der Verleihung des Medienpreises. Auch für die Wahl zum Sportler des Jahres werden ihm gute Chancen eingeräumt (Liveshow am 15.12.2019, 22:15 Uhr, ZDF)

Besonders in Zeiten solch hoher terminlicher Belastung ist die Verbindung von Spitzensport und Studium nicht einfach. In Mainz hat Kaul jedoch sehr gute Voraussetzungen: Als Partnerhochschule des Spitzensports bietet die JGU Sportlerinnen und Sportlern eine individuelle Betreuung und flexible Studiumsorganisation.

Für den Studierenden Kaul heißt das nicht, dass er weniger akademische Leistungen bringen muss als andere Studierende, aber es ist möglich, den Spagat zwischen sportlichen und akademischen Herausforderungen zu meistern. Aufgrund der anstehenden Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Tokio im Jahr 2020 packt er beispielweise einige Semesterwochenstunden weniger in seinen Stundenplan. Doch das Studium ist für ihn alles andere als eine Belastung. Er freut sich auch über den wiederkehrenden Alltag auf dem Campus und in den Hörsälen, den er als gute Ablenkung betrachtet, um ihn nach den vielen Terminen zu "erden und auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen."

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Max Lindemann

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