Der Mainzer Zoologe Jochen Martens forscht seit 60 Jahren nach Spinnenarten. Eine neue Gattung aus den Wäldern Chinas hat er nun zu Ehren von Greta Thunberg „Thunbergia“ getauft. Für ihn auch ein Ausdruck für die umfangreiche Beschäftigung mit den Themen Umweltschutz und Klimaschutz an der JGU.


Bei der Entdeckung einer neuen Tierart steht ihrer Entdeckerin oder ihrem Entdecker das Recht der Namensgebung zu. Diese folgt einer international festgelegten Nomenklatur. Durch dieses Recht finden sich in wissenschaftlicher Literatur nun einige skurrile Namen. Ob beispielsweise als Palindrom (z.B. Xela alex, eine Schwebfliege), zur Sicherung eines prominenten Platzes in alphabetischen Auflistungen (z.B. Aaages als Gattungsname von Marienkäfern) oder nach Fußballvereinen (Fenerbahce, als Gattungsname für Zahnkärpflinge).

Benennung als Würdigung für Engagement

Der Zoologe Martens hatte bei der Beschreibung einer neuen Weberknechtgattung jedoch ein besonderes Anliegen. Einer neuen Art und drei weiteren der neuen Gattung zugeordneten Arten verlieh er den Namen Thunbergia, zu Ehren der schwedischen Umweltaktivistin Greta Thunberg. Die neue Art heißt nunmehr Thunbergia gretae. Sie stammt aus den Wäldern Mittelchinas. Drei bereits bekannte Arten, die als Thunbergia grandis, Thunbergia wangi und Thunbergia zhui neu zugeordnet werden, sind ebenfalls in Asien beheimatet.

Den Aufrufen von Greta Thunberg zu mehr Klimaschutz sei noch immer nicht genug Priorität zugeordnet worden, hebt Jochen Martens in seiner Würdigung hervor. Die Bedrohung der Flora und Fauna auf unserem Planeten durch den Klimawandel werde nicht ausreichend beachtet. In China sind durch jahrhundertelange Waldabholzung bis in die jüngste Neuzeit bereits hohe Anteile der Spinnentier- und Insektenfauna unwiderruflich verloren gegangen, vor allem von solchen Gruppen, die am Boden leben und eine Beschattung ihres Waldlebensraumes benötigen. "Der Klimawandel verschärft die Situation zunehmend", so der Zoologe.

Thunbergia mit zwei besonderen Merkmalen

Weberknechte gehören wie die Webspinnen zur großen Gruppe der Spinnentiere. Eiförmiger Körper und lange Beine sind wichtige Merkmale. Weberknechte sind nahezu auf der ganzen Welt verbreitet, aber in geringerer Artenzahl als Webspinnen. Martens hat nahezu 200 neue Weberknechtarten entdeckt und beschrieben. Er sammelte sie zumeist selbst, hauptsächlich in Europa und auf seinen Forschungsreisen in Asien. Bei der neuen Gattung Thunbergia fallen zwei Merkmale besonders auf: Die Pedipalpen, Tastorgane im Kopfbereich der Tiere, sind bei den Männchen zu kräftigen Zangen umgebildet und außerdem unterscheiden sich die Fortpflanzungsorgane von denen anderer Weberknechtarten.

Würdigungen von Greta Thunberg aus der Biologie

Schon vor Jochen Martens hatte der Frankfurter Wissenschaftler Peter Jäger im Juni eine neue Riesenkrabbenspinnengattung, die auf Madagaskar entdeckt wurde und unter der fünf Arten zusammengefasst werden, nach Greta Thunberg benannt.

Diese Benennungen setzen eine Reihe von Würdigungen für Greta Thunberg aus der Biologie fort. Schon im Jahr 2019 benannte der wissenschaftliche Mitarbeiter des Londoner Naturkundemuseums Michael Darby eine vorher nicht benannte Zwergkäferart, die schon in den 1960er Jahren in Kenia gesammelt worden war, nach der Klimaschutzaktivistin.

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