Nerven Sie Arbeitstreffen mit Skype, Zoom und Teams auch auf Dauer? Ein Alumnus der JGU hatte eine Idee und jetzt bekommen Videokonferenzen tierischen Besuch.

Eigentlich hatte Stephan Nachtsheim eine Wanderung mit Freunden und Alpakas geplant. Doch die Coronapandemie durchkreuzte ihre Pläne. Die Alpaka-Farm an der Kisselmühle im Rheingau musste, wie viele andere Tierparks und Zoos in Deutschland, bis auf weiteres ihre Pforten für Gäste schließen.

Zusammen mit einer Freundin entstand dann die Idee, dass man die Alpakas doch auch zu den Menschen bringen könnte, wenn eine Trekking-Tour derzeit nicht möglich ist. Warum sollten die Alpakas nicht für Freude und Überraschungen in Videokonferenzen sorgen?

Innerhalb von 48 Stunden im Internet

Von der Idee bis zur Umsetzung sollte es nicht lange dauern. Kurzerhand rief Stephan Nachtsheim den Betreiber der Alpaka-Farm, Frank Messing, an. Auf der Farm war man von der Idee begeistert. Das Lama- und Alpaka-Trekking war bis zu den Einschränkungen eine wichtige Säule des Geschäfts gewesen. Auf dem ca. 10 Hektar großen Gelände leben derzeit rund 100 Lamas und Alpakas sowie neun Großkamele und fünf Rentiere, die versorgt werden müssen. Jetzt war man auf kreative Ideen zum Überleben der Farm angewiesen.

Mit der positiven Rückmeldung der Farm im Rücken machte sich Gutenberg-Alumnus Nachtsheim, der bei einer IT-Agentur im nahen Eltville arbeitet, direkt ans Werk. Mit verschiedenen Kolleginnen und Kollegen aus der Agentur entstand noch am Wochenende das Grundgerüst für www.alpaca-calling.com. Nach 48 Stunden war die Webseite dann bereits online verfügbar.

Tierische Mitarbeiter vor der Kamera

In den ersten Tagen hieß es noch, die Technik der Buchung über die Website und das Equipment für die Videokonferenzen auf der Kisselmühle zu testen, doch nach weniger als einer Woche war es soweit, und die ersten Alpakas nahmen an Videokonferenzen teil. Statt mit Gästen auf einer Trekkingtour zu laufen, schauen die Kollegen Joan, das Alpaka, Yeti, das Lama, Rudolph, das Rentier, Atila, das Trampeltier, und Mucki, das Dromedar, jetzt in die Kamera eines Tablets.

Es brauchte nicht lange, bis die Idee sich herumgesprochen hatte und auch die Medien auf diesen kreativen Umgang mit der Coronakrise aufmerksam wurden. Ob Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Bild, RTL, ZDF oder der Hessische Rundfunk, alle berichteten über alpaca-calling.com. Besonders erfreut waren die Ideengeberinnen und -geber jedoch über einen Beitrag in der Heimat der Alpakas, Peru. Dort flimmerte die Geschichte während der Abendnachrichten über die Fernseher.

Lächeln auf Gesichtern

Das Angebot des tierischen Besuchs in Videokonferenzen scheint bei vielen gut anzukommen. Ob bei privaten Geburtstagsfeiern, in Arbeitsbesprechungen von Firmenabteilungen oder aber auch Vorstandsbesprechungen von größeren Firmen, die Tiere zaubern ein Lächeln auf die Gesichter. Vor allem sorgt alpaca-calling.com jedoch auch dafür, dass die Kisselmühle weiterhin betrieben werden kann.

Ein besonderes Highlight des Projekts durfte eine Videokonferenz Ende April erleben: die erste Live-Geburt eines Alpakas. Die Ehre der Namensgebung wurde dem Anrufer zuteil. Das kleine Tier hört jetzt auf den Namen „Chico“.

Willkommene Abwechslung und weitere Idee

Für Stephan Nachtsheim ist der Weg von der Idee bis zur Umsetzung und weiteren Betreuung des Projekts eine angenehme Abwechslung vom derzeitigen Alltag mit wenigen sozialen Kontakten. Seine Kreativität hat auf jeden Fall nicht gelitten, denn er hat gleich eine weitere Idee: „Man müsste eigentlich Coworking-Space auf der Farm verkaufen. IT-Entwickler würden da bestimmt drauf einsteigen.“

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Ansprechpartner

Max Lindemann

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