Mathematik, Physik, Philosophie | 1976

Wenn ich an meine Zeit in Mainz und an der JGU denke, fällt mir als Erstes ein …

die wunderbare Synthese aus Freiheit und Struktur, die ich in meiner Zeit 1973-1985 in Mainz erlebt habe. Ich empfinde es als großes Glück, dass mir die JGU ermöglichte, mich wissenschaftlich, aber auch persönlich weiterentwickeln zu können. Die Krönung dieser ganz besonderen Stimmung auf dem Campus war natürlich das Studium generale.

Mein Lieblingsort auf dem Gutenberg-Campus war …

die Cafeteria im SB II. Wenn wir mit unseren Überlegungen nicht weiterkamen (was oft passierte), gingen meine Kollegen und ich in die Cafeteria. Nach einem Kaffee und einer süßen Leckerei sahen wir manchmal schon auf der Treppe nach oben einen neuen Lösungsansatz.

Prof. … wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil …

Zum einen meine Lehrerin Frau Prof. Judita Cofman, die mir vorlebte, was lebendige Wissenschaft ist. Und als Kontrastprogramm Prof. Nikolai Stuloff, der aus einer fernen Vergangenheit zu kommen schien, seine Unbeholfenheit pflegte, uns aber viel über die Geschichte der Mathematik beibrachte.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe, ist …

die Erfahrung der akademischen Freiheit. Wir mussten uns den Stoff selbständig erarbeiten (und oft auch die Themen selbst definieren), so dass das Studium sehr früh einen Zugang zur Forschung eröffnete. Für viele war das eine Belastung, ich fand’s großartig.

Das würde ich heutigen Studierenden mit auf den Weg geben:

Das Studium ist die Phase des Lebens, in der man den Dingen auf den Grund gehen kann. Nütze die Chance und bekomme heraus, was die grundlegenden Fragen und Antworten deines Faches sind.

Und das Studium ist die Phase, in der man sich selbst finden kann. Finde heraus, was du kannst und was nicht, was dir liegt und was nicht, welche Ziele du hast und welche nicht.

Prof. Dr. Dr. h. c. Albrecht Beutelspacher, Mathematiker, Mathematikvermittler und Museumsdirektor, Jahrgang 1950, studierte Mathematik, Physik und Philosophie in Tübingen. Von 1973 bis 1982 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der JGU und wurde hier 1976 bei Judita Cofman promoviert. Von 1982 bis 1985 hatte Albrecht Beutelspacher eine Professur auf Zeit an der JGU inne. Danach war er in der Forschungsabteilung der Siemens AG tätig, bis er 1988 eine Professur für Geometrie und Diskrete Mathematik an der Universität in Gießen übernahm, die er bis 2018 innehatte.

2002 gründete Albrecht Beutelspacher in Gießen das Mathematikum, das weltweit erste Mitmach-Museum, in dem die Besucherinnen und Besucher sich aktiv und spielerisch mit mathematischen Themen auseinandersetzen können. Beim Sender BR-alpha moderiert er zudem seit 2007 die Sendung „Mathematik zum Anfassen“.

Für sein Engagement wurde Albrecht Beutelspacher vielfach ausgezeichnet, u. a. mit der Ehrendoktorwürde der Universität Siegen und der Medaille für naturwissenschaftliche Publizistik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.

Bildquellen | Porträt: © Mathematikum e. V.



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