Ethnologie | 2012

Wenn ich an meine Zeit in Mainz und an der JGU denke, fällt mir als Erstes …

… meine Promotion ein, die Wirklichkeit wurde. Mainz und die JGU haben mir alles gegeben! Mein Traum seit der Grundschule war es, Lehrerin zu werden. Im Laufe der Zeit wurde dieser Traum immer realistischer, während meines Studiums, in dem ich mir vornahm, eine Hochschullehrerin zu werden, die sowohl die Lernenden als auch die Forschung wirklich beeinflusst. Mainz ist auch die Stadt, in der ich beninische, afrikanische und deutsche Familien und Freunde traf, die den Schmerz der Entfernung von der Heimat und das Gefühl von Einsamkeit in diesem akademischen Abenteuer linderten. Die JGU ist die Universität, die mich willkommen geheißen hat, in der ich meine ersten Schritte gemacht habe und mir vorgenommen habe, dass ich die JGU eines Tages mit einem Abschluss verlassen werde, der mir die Türen zu einer hoffentlich schönen Lehrtätigkeit öffnet.

Mein Lieblingsort auf dem Gutenberg-Campus war …

… mein Büro, in das ich kam, um Literatur und die Daten aus meiner empirischen Forschung auszuwerten; dieses Büro, in dem ich in den Pausen mit meinen Bürokolleginnen und -kollegen plaudern oder über Zukunftspläne reden konnte, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was ich werden wollte.

Prof. … wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil …

Professor Thomas Bierschenk wird mir immer in Erinnerung bleiben, weil ich bei ihm die ersten Schritte der empirischen Forschung im Rahmen der Anfertigung meiner Magisterarbeit in Soziologie und Anthropologie unternommen habe. Er ist es auch, der an mich geglaubt hat, an mein Potenzial, an meine Fähigkeit, eine gute Abschlussarbeit zu schreiben und an meine Fähigkeit, meinem Land zu dienen, indem ich eine gute Hochschullehrerin werde. Sein Glaube an mein Potenzial und meine Fähigkeiten war nicht nur wichtig für den Fortschritt meiner Dissertation an der JGU, sondern trug auch zu meiner Vorstellung bei, wie ich als Hochschullehrerin arbeiten möchte. Durch ihn entdeckte ich Qualitäten einer Lehrkraft in der Hochschulbildung wie Pünktlichkeit, Geduld, Respekt für Lernende unabhängig von persönlichen Einstellungen, Vertrauen in die Lernenden, Professionalität und Kompetenz. Er erzählte mir auch zum ersten Mal vom DAAD, der Institution, die mir ein Stipendium für meine Promotion gab.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe, ist …

… meine Promotionsurkunde, die mir den Weg zu Chancen und Herausforderungen eröffnet hat. Ich habe auch die Lektion gelernt, dass zu einem Promotionsstudium oder einer akademischen Karriere nicht nur die eigene Anstrengung gehört, sondern eine Vielzahl weiterer, auch institutioneller, Akteure einschließlich der Familie, die auf die eine oder andere Weise eine Rolle spielen und einen auf dem Weg zur Verwirklichung seines Traums begleiten. Ich habe verstanden, dass es neben meiner persönlichen Investition auch wichtig war, ein angemessenes und freundliches Umfeld zu haben sowie einen Betreuer, der an mich glaubte und die Rolle des Coaches übernahm. Kurzum, ein adäquates Umfeld, das mein Promotionsstudium unvergesslich gemacht hat.

Das würde ich heutigen Studierenden mit auf den Weg geben:

Ich möchte für meine Studierenden ein Coach sein, der sie auf ihrer Reise begleitet, ein Coach, der ihnen wirklich zuhört und sie unterstützt. Ich möchte die Studierenden auf die Notwendigkeit vorbereiten, sich an die sich ständig ändernden Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt, mit denen sie im Lauf ihres Arbeitslebens konfrontiert sein werden, anzupassen.

Dr. Clarisse Bignon Tama-Imorou, Jahrgang 1975, ist Hochschullehrerin (maîtresse de conférence) an der Université de Parakou in der Republik Bénin. Sie studierte zunächst an der Université Nationale du Bénin (UNB). 1996/97 nahm sie an einer gemischten deutsch-afrikanischen studentischen Exkursionsgruppe der JGU und der UNB unter der Leitung des Mainzer Ethnologen und Soziologen Thomas Bierschenk teil, die die Kommunalpolitik in der Republik Bénin untersuchte. 1998 schloss sie ihr Studium, betreut von Thomas Bierschenk, mit der Maîtrise ab. Im Anschluss studierte sie in Dakar (Senegal) und erwarb das Diplôme d‘études approfondies (DEA).

Von 2008 bis 2012 war Clarisse Tama-Imorou an der JGU am Institut für Ethnologie und Afrikastudien (Ifeas) eingeschrieben, zunächst mit einem Stipendium des DAAD. Später wurde sie gefördert durch das am Ifeas in Kooperation mit dem Laboratoire d'Etudes et de Recherche sur les Dynamiques Sociales et le Développement Local Niger (LASDEL – ein sozialwissenschaftliches Forschungslabor in Niger und Bénin für sozio-anthropologische Felduntersuchungen) durchgeführte Forschungsprojekt „States at Work in West Africa“, finanziert durch die Volkswagenstiftung.

Mit einer Arbeit über „Les enseignants de l'école primaire au Bénin. Transformations d'un groupe professionnel“ promovierte Clarisse Tama-Imorou im Jahr 2012 bei Thomas Bierschenk an der JGU und veröffentlichte ihre Dissertation beim Köppe-Verlag in Köln im Jahr 2014. Seit 2013 ist sie Mitglied des LASDEL. Clarisse Tama-Imorou lehrt am Département de Sociologie-Anthropologie der Université de Parakou in Bénin, dessen Leiterin sie seit 2017 ist.

Bildquellen | Porträt: © Clarisse Tama-Imorou



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