Musikwissenschaft, Buchwissenschaft, Rechtswissenschaft/Privatrecht | 2007

Wenn ich an meine Zeit in Mainz und an der JGU denke, fällt mir als Erstes ein …

der Campus, die vielen Freundschaften, die ich in dieser Zeit geschlossen habe und die bis heute halten, sowie das Gefühl Student zu sein und damit einen ganz neuen Lebensabschnitt zu beginnen, mit neuer persönlicher Freiheit und dem Kennenlernen von wissenschaftlichem Arbeiten. Schöne Erinnerungen!

Mein Lieblingsort auf dem Gutenberg-Campus war …

Den größten Teil meiner Studienzeit habe ich im Philosophicum verbracht – mit dem Ort verbinde ich meine Studienzeit. Äußerlich wenig ansprechend, aber innerlich prägend! Die Mensa hatte eine zwiespältige Anziehungskraft: aber dort gab es eine Lavazza-Bar mit dem besten Kaffee auf dem Campus. Im Botanischen Garten habe ich mich gern aufgehalten.

Begeistert hat mich immer der Campus der JGU: Die vielen unterschiedlichen Studenten, denen ich auf dem Weg zu meinen Lehrveranstaltungen begegnet bin, gaben mir immer das Gefühl, Teil einer großen Gemeinschaft zu sein. Das hat mich oft beflügelt und gehört untrennbar zu meinen Erinnerungen an das Studium in Mainz.

Prof. … wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil …

Im Laufe eines Studiums gab es viele prägende Begegnungen. Zwei sind mir in besonderer Weise im Gedächtnis geblieben: Prof. Axel Beer wurde in der Musikwissenschaft bereits im ersten Semester zu einer prägenden Figur. Er hat mir schnell Vertrauen geschenkt und mir Publikationsmöglichkeiten und Mitarbeit in der Lehre ermöglicht, die meinen weiteren Weg mit viel Motivation und Zuversicht begleitet haben. Ich erinnere mich an den wunderbaren fachlichen Austausch zum Thema Entstehung des Musikverlagswesens. Meine ersten beruflichen Stationen hatte ich dann auch im Verlagswesen.

Eine zweite wichtige Person war Prof. Stephan Füssel, bei dem ich Buchwissenschaft studierte. Sein ganzheitlicher kulturwissenschaftlicher Ansatz bei der Beschreibung von historischen Entwicklungen und Erkenntnissen hat meinen Horizont erweitert und bereichert.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe, ist …

Zutrauen in seine eigenen Intuitionen und Fähigkeiten. Durch die intensive Beschäftigung mit immer neuen Themenfeldern habe ich im Studium gelernt, mir den Umgang mit komplexen Sachverhalten grundsätzlich zuzutrauen. Die wissenschaftliche Erarbeitung von kulturhistorischen Fragestellungen und die sprachliche Vermittlung von Ergebnissen und Gedanken sind grundlegende Techniken, die im Laufe des Studiums an Vorträgen, Hausarbeiten, Klausuren und Abschlussarbeiten trainiert werden. Die Ergänzung in meinem Jurastudium brachte mir zudem einen noch präziseren Zugang zur Sprache.

Was ich noch mitgenommen habe, ist die Erkenntnis, dass jeder viel bewegen kann und vorgefertigte Muster einer immer wiederkehrenden Hinterfragung standhalten müssen – oder eben verändert werden können. Während der Studienzeit konnte ich mich z. B. durch Mitarbeit in Gremien und Organen der Studierenden aktiv an der Entwicklung meiner Umgebung beteiligen. Oder mit der Gründung eines Kammerchores am Musikwissenschaftlichen Institut im Jahr 2004 eine Brücke zwischen kulturwissenschaftlicher Betrachtung und emotionaler eigener Ausübung von Musik bauen.

Das würde ich heutigen Studierenden mit auf den Weg geben:

Besonders den Musikwissenschaftsstudierenden möchte ich Mut machen: Nutzen Sie die Chance, sich in ganz unterschiedliche Themen intensiv einzuarbeiten und seien Sie dabei immer bereit, Neues zu lernen und sich davon begeistern zu lassen. Oft öffnen sich dem, der seine Aufgaben mit Freude und Hingabe macht, Türen, die vorher nicht nur verschlossen, sondern für ihn noch gar nicht sichtbar waren!

Und genießen Sie Ihre Studienzeit an der JGU – es ist eine einmalige Zeit in Ihrem Leben.

Emanuel Scobel, Jahrgang 1981, ist Geschäftsführender Leiter des Thomanerchors Leipzig. Er studierte von 2001 bis 2007 Musikwissenschaft, Buchwissenschaft und Rechtswissenschaft/Privatrecht an der JGU und war Gründer des Kammerchores convivium musicum mainz, den er mehrere Jahre leitete.

Nach seinem Magisterabschluss arbeitete er als freier Autor für das Musikquellenlexikon Répertoire International des Sources Musicales (RISM), den Schott Verlag Mainz sowie den Bärenreiter Verlag Kassel. Von 2007 bis 2016 leitete er das CD-Label „Carus“ beim gleichnamigen Musikverlag in Stuttgart, dessen internationalen Vertrieb des Gesamtprogramms er zudem seit 2012 ausbaute und später auch als Bereichsleiter verantwortete. 2017 wechselte er als Geschäftsführer zu den Stuttgarter Hymnus-Chorknaben.

Seit 2019 ist Emanuel Scobel Geschäftsführender Leiter des Thomanerchors Leipzig, einem der bekanntesten Knabenchöre der Welt mit einer über 800-jährigen Chortradition.

Bildquellen | Porträt: © Roman Friedrich



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