Philosophie, Germanistik, Theaterwissenschaft | Studium 1946-1951

Wenn ich an meine Zeit in Mainz und an der JGU denke, fällt mir als Erstes ein …

meine Anfahrt aus Koblenz mit dem Zug. Vier Stunden draußen auf dem Trittbrett mit Rucksack. Anmeldung: todmüde. Weiter direkt nach Laubenheim zu meiner Studentenbude – ohne fließendes Wasser, Plumpsklo auf dem Hof. Bissiger Wachhund.

Mein Lieblingsort auf dem Gutenberg-Campus ...

waren alle Hörsäle. Endlich. Habe alle Anfängerfehler gemacht, zuviel schreiben, alles behalten wollen – hat sich dann aber schnell gelegt.

Prof. … wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil …

Dr. Faßbinder förderte die Liebe zur Sprache und konnte begeistern, war manchmal sogar romantisch. Ihm zuzuhören war entspannend und lehrreich. Ich habe sogar mitunter mittelhochdeutsche Episoden auswendig gelernt bei ihm: „Ich saz ûf eime steine“ (Walther von der Vogelweide). Hat mein Sprachgefühl entscheidend beflügelt.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe, ist …

Ich wollte Feuilletonredakteur werden, habe mir schon nebenbei Geld mit Theaterkritiken verdient, aber der Schreibtisch störte mich. Mit Menschen sprechen wurde mein Ziel. Auch dank vieler Begegnungen mit Professoren an der Uni.

Das würde ich heutigen Studierenden mit auf den Weg geben:

Auf keinen Wolken schweben, sie bieten keinen Halt. Selbstkritisch sein (so schwer!). Ziele anpeilen, nicht nur auf Glück warten. Ohne Können und Arbeit dauert Glück selten länger als vier Wochen.

Ernst Huberty, ehemaliger Sportjournalist, Fernsehmoderator und -kommentator, Jahrgang 1927, hat seit den 1960-er Jahren die Sportberichterstattung im deutschen Fernsehen maßgeblich geprägt.

Als Ernest Rodolphe Huberty wurde er als Sohn eines Luxemburgers in Trier geboren, später übersiedelte die Familie nach Koblenz. Ernst Huberty ist ein JGU-Student der ersten Stunde: An der gerade wieder eröffneten Universität studierte er ab 1946 Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft.

Es folgte ein Volontariat bei der Koblenzer Zeitung. Anfang der 1950-er Jahre begann seine Karriere beim damaligen Südwestfunk in Baden-Baden. Er machte Hörfunkreportagen und übertrug auch einmal den Mainzer Rosenmontagszug. 1956 moderierte er erstmals die Fernsehsendung „Sport am Montag“. Er wechselte zum Westdeutschen Rundfunk und arbeitete dort ab 1960 in der Sportredaktion, die er ab 1970 leitete.

Huberty moderierte die ARD-Sportschau seit ihrer ersten Ausgabe am 4. Juni 1961 bis zum Jahr 1982. Er erfand die Wahl zum „Tor des Monats“, die bis heute stattfindet. Zudem kommentierte Ernst Huberty zahlreiche große Sportereignisse. Nach seiner Pensionierung arbeitete er als Fußball-Berichterstatter für den Bezahlsender Premiere und kommentierte ausgewählte Bundesliga-Spitzenspiele. „Mr. Sportschau“ war auch als Moderatoren-Coach tätig und wurde Mentor vieler heutiger TV-Größen, darunter Reinhold Beckmann, Johannes B. Kerner, Oliver Welke und Monica Lierhaus.

Ernst Huberty erhielt zahlreiche Ehrungen, darunter zwei Goldene Kameras, zwei Bambis und den HERBERT-Award (heute: Deutscher Sportjournalistenpreis) für sein Lebenswerk im Jahr 2011.

Bildquelle | Porträt: privat



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