Medizin | 1989

Wenn ich an meine Zeit in Mainz und an der JGU denke, fällt mir als Erstes ein, …

dass ich, zum ersten Mal gerade Vater geworden, Studium und Vatersein in Einklang bringen musste, was eine enorme Herausforderung an unsere junge, kleine und glückliche Familie war.

Mein Lieblingsort auf dem Gutenberg-Campus war …

der Botanische Garten. Eine wundervolle, natürliche Oase. Ein Ort der mentalen Regeneration.

Prof. … wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil …

Ich habe leider den Namen des Professors vergessen, aber es war eine wichtige zentrale Erfahrung für mich, die Erfahrung im Anatomieunterricht den menschlichen Körper an verstorbenen Menschen kennenlernen zu dürfen. Der uns unterrichtende Professor tat dies mit viel Demut, Respekt und Würde den Verstorbenen gegenüber.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe, ist …

der Respekt gegenüber dem Leben und dem Tod, und insbesondere die Bedeutung einer gegenseitig gelebten Form eines würdevollen Umgangs und Miteinanders. Martin Buber, israelischer Religionsphilosoph, sagte zeitlos zutreffend: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“

Das würde ich heutigen Studierenden mit auf den Weg geben:

Habt den Mut, „alte Zöpfe“, alte Verhaltensweisen, schon immer vorhandene Ansichten in Frage zu stellen, um dann auch notwendige neue Wege zu gehen. Der Schweizer Philosoph Kurt Matti sagte so schön provozierend: „Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.“

Prof. Dr. med. Dipl.-Soz.-Päd. Gerhard Trabert, Jahrgang 1956, Sozialmediziner, engagiert sich seit vielen Jahren für Wohnungslose in Mainz und geflüchtete Menschen bei Einsätzen auf der ganzen Welt. Er schloss zunächst ein Studium der Sozialarbeit an der damaligen Fachhochschule Wiesbaden ab und arbeitete im Krankenhaussozialdienst. Von 1983 bis 1989 studierte er Medizin an der JGU, wo er auch promoviert wurde. Während seines Studiums war Gerhard Trabert im Leichtathletikkader der deutschen Junioren- und Studentennationalmannschaft. Er wurde im Jahre 1975 mit der deutschen 4x400 m Staffel Vize-Europameister. Seine Bestlaufzeit über 800 Meter steht heute noch auf der Liste der „Ewigen Top Ten“ des USC Mainz.

Nach Abschluss des Medizinstudiums war Gerhard Trabert zehn Jahre in Krankenhäusern klinisch tätig. Von 1999 bis 2009 hatte er eine Professur an der Georg Simon Ohm-Hochschule Nürnberg inne, seit 2009 ist er Professor für Sozialmedizin und Sozialpsychiatrie an der Hochschule RheinMain Wiesbaden.

Gerhard Trabert ist Gründer und Vorsitzender des Vereins „Armut und Gesundheit“, richtete die „Poliklinik ohne Grenzen“ und das „Arztmobil“ als mobile Praxis für Wohnungslose und Menschen ohne Krankenversicherung ein. Er ist Gründer und Vorsitzender des Vereins „Flüsterpost“, der Kinder krebskranker Eltern unterstützt.

Für sein humanitäres Engagement erhielt Gerhard Trabert zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz und den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz. 2014 erhielt er die Paracelsus-Medaille, die höchste Auszeichnung der Deutschen Ärzteschaft. Als erster Fachhochschullehrer überhaupt wurde er vom Deutschen Hochschulverband als „Hochschullehrer des Jahres 2020“ gewürdigt.

www.armut-gesundheit.de
www.kinder-krebskranker-eltern.de

Bildquellen | Porträt: © Andreas Reeg



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