Volkswirtschaftslehre | 1996

Wenn ich an meine Zeit in Mainz und an der JGU denke, fällt mir als Erstes ein, …

dass ich viele wunderbare Menschen kennengelernt habe – sowohl auf dem Campus, in meiner WG als auch als Aushilfe im Restaurant Bootshaus auf der anderen Seite des Rheins. Außerdem habe ich durch das Uni-Sportangebot Tennis spielen gelernt, woran ich heute noch sehr viel Spaß habe.

Mein Lieblingsort auf dem Gutenberg-Campus war …

die Alte Mensa. Dieses Gebäude hatte für mich Flair, sowohl in den Hörsälen als auch im Café darunter. Aber auch das alte ReWi-Haus schloss ich ins Herz. Bereits als wissenschaftliche Hilfskraft konnte ich dort den Universitätsbetrieb intensiv miterleben, so dass eine Promotion an einem Lehrstuhl fast schon eine natürliche Entwicklung war.

Prof. … wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil …

Prof. Dr. Klaus Rose hat meine Zeit an der Universität maßgeblich geprägt. Er konnte mit seinen Vorlesungen Erstsemester und Fortgeschrittene gleichermaßen für das Fach Volkswirtschaftslehre begeistern. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Allgemeine und Außenwirtschaftstheorie habe ich von ihm nicht nur viel über optimale Währungsräume gelernt, sondern auch zielgruppenadäquat und unterhaltsam zu referieren.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe, ist …

Studieren bedeutet Denken zu lernen und nicht nur Fragestellungen aus der aktuellen Praxis zu behandeln. Sich mit Theorien zu befassen, schult das Denken und trägt wesentlich zu guten Entscheidungen bei. Deshalb schließe ich mich uneingeschränkt dem Sozialpsychologen Kurt Lewin an: „Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie“.

Das würde ich heutigen Studierenden mit auf den Weg geben:

Studieren zu dürfen ist ein Geschenk. Unmittelbar vor Klausuren vergisst man das manchmal. Mit Kommilitonen zusammen zu lernen macht nicht nur Spaß, sondern schafft auch Freunde fürs Leben. Aufgrund von Corona sind Kontakte derzeit eingeschränkt, aber zum Glück gibt es die virtuellen Medien. Hier ist Kreativität gefragt, also genau das Richtige für Studierende.

Mit dem Wahlfach Ökonometrie war ich im Studium zumeist die einzige Frau. Dies hat sich in meinem Berufsleben als Ökonomin und Chefvolkswirtin kaum geändert. Es ist aber nicht schlimm, in der Minderheit zu sein. Entscheidend ist vielmehr, dass sich die Strukturen ändern und Vielfalt normal wird. Dazu können alle beitragen.

Dr. rer. pol. Gertrud R. Traud, Kapitalmarktexpertin, Jahrgang 1963, ist seit 2005 Chefvolkswirtin der Helaba. Nach dem Abitur in Hünfeld belegte sie zunächst zwei Semester Biologie und Chemie an der Philipps-Universität Marburg, ging dann als Au-pair nach Frankreich und die USA. Ab 1986 studierte sie Volkswirtschaftslehre an der JGU und an der University of Michigan, USA, 1996 wurde sie an der JGU zum Dr. rer. pol. promoviert.

Nach Stationen bei der Bank Julius Bär in Frankfurt am Main und der Bankgesellschaft Berlin, wo sie unter anderem die Aktienmarktstrategie des European Securities Network, eines Research-Netzwerkes zehn europäischer Finanzhäuser, verantwortete, wechselte sie 2005 zur Helaba und übernahm 2006 die Leitung des Research der Helaba.

Gertrud R. Traud ist eine gefragte Keynote-Speakerin. Auch lehrte sie u. a. an der Warsaw School of Economics und der Frankfurt School of Finance & Management. Sie gehört zahlreichen Gremien an, darunter dem Kuratorium der Aventis Foundation (seit 2020 zugleich Vorsitzende des Anlageausschusses) und dem Programmbeirat der Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz des Landes Hessen (LOEWE). Die Bankdirektorin engagiert sich darüber hinaus in sozialen Projekten, u. a. ist sie Ehrenmitglied des ZONTA Clubs Frankfurt am Main, Schirmherrin des Projekts ZONTAlente und Botschafterin für die Initiative ArbeiterKind.de.

Bildquellen | Porträt: © juergenmai.com



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