Politikwissenschaft, Mittlere und Neuere Geschichte, Publizistik | 1997

Wenn ich an meine Zeit in Mainz und an der JGU denke, fällt mir als Erstes ein …

... als „Zweites“ wäre mir lieber 🙂! Tatsächlich war es das Pendeln zwischen Campus und ZDF-Gelände, das mir großen Spaß bereitete. Als „Erstes“ war Basis meiner Studienzeit an der JGU aber natürlich Inhalt und Gehalt der Lehre sowie das Erleben von großen wissenschaftlichen Persönlichkeiten – von den seinerzeit und bis heute legendären Professoren Hans Buchheim über Ernesto Garzón Valdés bis zu Ruth Zimmerling. Theorie und Praxis ergänzten sich für mich zu einem sehr sinnvollen Arbeitsalltag.
In den 1990-er Jahren saß ich in vielen Vorlesungen und Seminaren, zwischendurch immer wieder im Nachrichtenstudio, später auch in den Redaktionen des ZDF. An journalistische Arbeit war schon damals ohne abgeschlossenes Hochschulstudium nicht zu denken. Deswegen: einfach gut und essentiell wichtig, dass ich somit gleichzeitig meinen Magister in der noch freieren „Vor Bologna“-Studienordnung machen konnte! So hatte ich mir selbst mein Berufsziel einer journalistischen Tätigkeit, der Zeit vorausgreifend, ganz praktisch als quasi „duales Studium“ organisiert.

Mein Lieblingsort auf dem Gutenberg-Campus war …

... wie für viele der Botanische Garten! Natur, exotische Bäume und interessante Pflanzen gaben Geist und Körper Kraft und Ruhe – bevor es wieder ins SB II ging …

Prof. Jürgen Falter wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil …

... auch er zwischen Hörsaal und Fernsehstudio pendelte. Der prominente Politikwissenschaftler ist und bleibt mit seiner Expertise in Sachen Rechtsextremismus und seinen Publikationen zur Wählerforschung ein großer Name. Außerdem brillierte er in seinen Vorlesungen mit der ihm eigenen intellektuellen Schärfe. Da wollte man keine Veranstaltung versäumen – und freute sich zudem, den damals regelmäßigen Talkshow-Teilnehmer live erleben zu dürfen.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe, ist …

... die Bedeutung kritischen Denkens. Nicht alles glauben, was man liest. Quellen prüfen sowie Gesagtes und von welcher Warte aus auch immer Geschriebenes in Frage stellen. Und: kämpfen. Gegen verkleistertes Denken, gegen starre Strukturen und für mehr Individualität und Freiheit in den Lebensläufen. Zudem den „alten Hut“: Wissen ist Macht.

Das würde ich heutigen Studierenden mit auf den Weg geben:

Lesen, lesen, lesen! Sich gut organisieren – dranbleiben und nicht aufgeben!

Gundula Gause, Fernsehredakteurin und -Moderatorin, Jahrgang 1965, studierte zunächst Französisch an der Pariser Sorbonne und arbeitete dann bei einem privaten Radiosender. Von 1989 bis 1997 belegte sie Politikwissenschaft, Mittlere und Neuere Geschichte und Publizistik an der JGU und schloss mit dem Magisterexamen ab.

Von 1989 an war sie zugleich beim ZDF tätig. Als Redakteurin und Moderatorin arbeitete sie für die Sendungen „heute“, „Nachbarn“ und das „morgenmagazin“. Seit 1993 ist sie Redakteurin im Studio im „heute journal“. Hier ist sie für Auswahl und Inhalte der Nachrichtenblöcke mit verantwortlich, die sie als Co-Moderatorin auch präsentiert.

Für ihr vielfältiges soziales Engagement und ihre zahlreichen Ehrenämter erhielt sie 2013 den Bundesverdienst-orden und 2019 den Mainzer Medienpreis. Gundula Gause ist u. a. Mitglied im Kuratorium der Johannes Gutenberg-Universitätsstiftung, Schirmherrin des Afrikatages des katholischen Hilfswerks missio und des Menschenrechtspreises der Stadt Weimar.

Bildquellen | Porträt: © ZDF/Kerstin Bänsch



Zurück zur Übersicht | „75 aus 75“