Volkswirtschaftslehre | 1985

Wenn ich an meine Zeit in Mainz und an der JGU denke, fällt mir als Erstes ein …

meine Wohngemeinschaft in Essenheim, in der ich als Student der Volkswirtschaft mit zwei Kommilitonen gelebt habe, die Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie studierten. Jedes Semester haben wir eine Übung oder ein Seminar gemeinsam in den verschiedenen Fakultäten belegt. Dadurch und durch die Diskussionen beim Abendessen haben wir unseren Horizont wunderbar erweitert. Noch heute zehre ich davon.

Mein Lieblingsort auf dem Gutenberg-Campus war …

der große Hörsaal im Sportinstitut. damals der größte in der Universität, in dem Prof. Dr. Klaus Rose seine Vorlesungen über Außenwirtschaftstheorie hielt. Um einen Sitzplatz zu bekommen, hörte ich davor die Vorlesung „Anatomie für Sportler“, die ich immer sehr interessant fand.

Prof. … wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil …

Dr. Hans Otto Lenel … , weil er trotz eigener fester Überzeugungen immer auch andere Meinungen gelten ließ und – mehr noch – ermutigt hat. Obwohl wir uns in Seminaren und auch Vorlesungen oft heftige Diskussionen geliefert haben, bot er mir eine Assistentenstelle an seinem Lehrstuhl an. Auch dabei habe ich viel gelernt. Denn die Diskussionen hörten nicht auf, auch vor den Studenten, die das höchst spannend fanden.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe, ist …

der Blick über den eigenen Tellerrand und die Neugier auf das Andere, Neue, Ungewohnte. Das zu meiner Studienzeit noch vorgeschriebene „Studium generale“ habe ich immer für eine äußerst nützliche Einrichtung gehalten.

Das würde ich heutigen Studierenden mit auf den Weg geben:

Konzentriert euch nicht zu sehr auf das eigene Fach, sondern nehmt das vielfältige, universelle Angebot der Hochschule wahr. Schaut auch in andere Wissenschaftsgebiete hinein, engagiert euch politisch, sozial, kulturell. Gründet und pflegt Freundschaften, treibt Sport.

Dr. rer. pol. Hans Carl von Werthern, Botschafter a. D., Jahrgang 1953, studierte nach einem High School-Abschluss in Washington und dem sich anschließenden Wehrdienst Wirtschaftswissenschaften an der JGU. Nach dem Diplom 1979 war er hier bis zu seinem Eintritt in den Auswärtigen Dienst 1984 wissenschaftlicher Mitarbeiter und wurde 1985 promoviert.

In den folgenden Jahren war Hans Carl von Werthern für das Auswärtige Amt u. a. in Vietnam (1987-1990), Belgien (NATO, 1990-1992), Paraguay (1994-1997), Großbritannien (2003) und China (2007-2010) tätig. 2003 absolvierte er einen Master in Internationalen Beziehungen am King’s College, London. In der Zentrale des Auswärtigen Amtes war Werthern u. a. Leiter der Task Force „Deutschland in Japan 2005/2006“, Referatsleiter für Ostasien, Beauftragter für Personal und ab 2011 Generaldirektor der Zentralabteilung, bevor er 2014 zum deutschen Botschafter in Japan ernannt wurde.

Mit Eintritt in den Ruhestand 2019 kehrte Hans Carl von Werthern nach Berlin zurück und rief dort „Kramer & Werthern“, ein Büro für Mediation, Coaching und Beratung, ins Leben.

Bildquellen | Porträt: © Kathleen Friedrich



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