Psychologie | 1961

Wenn ich an meine Zeit in Mainz und an der JGU denke, fällt mir als Erstes ein …

Das Gefühl von Freiheit.

Mein Lieblingsort auf dem Gutenberg-Campus war …

Das Forum Universitatis, damals der große Platz inmitten der alten Kaserne. Es war ein Treffpunkt für intensive Diskussionen.

Prof. … wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil …

Albert Wellek. Im Gedächtnis blieb mir seine Großzügigkeit. Er kümmerte sich auch um seine Studenten auf eine ungewöhnlich sorgsame und zugleich zurückhaltende Weise.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe, ist …

Für meinen Lebensweg war Albert Wellek bestimmend, weil er die Fachgrenzen nicht zu eng zog. Kein Wunder, dass seine Vorlesungen im Rahmen des Studium generale übervoll waren. In meinem Fall war es wichtig, dass er Musik studiert hatte; er war Dirigent. Danach studierte er Psychologie. Seine Musikpsychologie (Kapitel: intermodale Qualitäten, musikalischer Raum) ist noch immer aktuell.

Das würde ich heutigen Studierenden mit auf den Weg geben:

Die Gedanken anderer sehr ernst zu nehmen.

Prof. Dr. Dr. h. c. Helga de la Motte-Haber, Musikwissenschaftlerin, Jahrgang 1938, hat die Systematische Musikwissenschaft und insbesondere die Musikpsychologie seit den 1970-er Jahren entscheidend geprägt. Sie begann ihre Ausbildung 1957 mit einem Psychologiestudium bei Albert Wellek an der JGU, das sie hier – nach zwischenzeitlichen Studienaufenthalten in Wien und Hamburg – 1961 mit dem Diplom abschloss. Von 1962 an studierte sie Musikwissenschaft in Hamburg und promovierte dort 1967.

1971 habilitierte sich Helga de la Motte-Haber an der TU Berlin für Systematische Musikwissenschaft – die Teildisziplin der Musikwissenschaft, die Prozesse des Musizierens und Musikhörens sowie die gesellschaftliche Stellung und Funktion von Musik bzw. von unterschiedlichen Musikrichtungen erforscht. Dies umfasst musikbezogene Akustik ebenso wie Musikpsychologie, Musiksoziologie und Musikästhetik.

1972 heiratete sie den Komponisten, Musiktheoretiker und Hochschullehrer Diether de la Motte (1928–2010), der im selben Jahr an die Hochschule für Musik und Theater Hamburg berufen wurde.

Von 1972-78 lehrte Helga de la Motte-Haber als Professorin an der Pädagogischen Hochschule Köln, danach über 25 Jahre lang bis 2004 als Professorin für Systematische Musikwissenschaft an der TU Berlin.
Helga de la Motte-Haber ist Autorin und Herausgeberin zahlreicher Publikationen, beschäftigte sich unter anderem mit zeitgenössischen Musikströmungen in Bezug zu Bildender Kunst und förderte Klangkunst als eine eigenständige Musikerscheinung. 1983 war sie Mitgründerin der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie und des „Jahrbuchs Musikpsychologie“ (gemeinsam mit Klaus-Ernst-Behne). Zu ihren Hauptwerken gehören „Systematische Musikwissenschaft“ (1982, gemeinsam mit Carl Dahlhaus, als Band 10 des „Handbuchs Musikwissenschaft“), das „Handbuch der Musikpsychologie“ (1985), die Biographie und Würdigung des Komponisten Edgar Varèse „Die Befreiung des Klangs“ (1993). Helga de la Motte-Haber ist Herausgeberin des Standardwerks „Handbuch der Systematischen Musikwissenschaft“, das von 2004 bis 2010 in sechs Bänden erschienen ist.

Für ihr Wirken wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Ehrenpreis des Deutschen Klangkunst-Preises sowie mit Ehrenmitgliedschaften der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie und der Gesellschaft für Musikforschung. 2015 erhielt Helga de la Motte-Haber die Ehrendoktorwürde der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

Bildquellen | Porträt: © Fotostudio Urbschat, Berlin



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