Physik, Chemie | 1982

Wenn ich an meine Zeit in Mainz und an der JGU denke, fällt mir als Erstes ein …

die enge Zusammenarbeit mit einer Handvoll Kommilitonen; das hat sich so im zweiten Semester angebahnt und war dann ab dem dritten Semester wirklich etabliert und ab da war es mit dem Studium gut. Das Chemiestudium in Mainz war zu meiner Zeit schon ziemlich hart und die Umgebung z. T. etwas rau. Viele Geschichten, die man erzählen könnte ...

Mein Lieblingsort auf dem Gutenberg-Campus war …

der Botanische Garten. Wenn ich mal aus dem Labor raus musste, um frische Luft zu schnappen – als Chemie-Studentin ist man ja lange Stunden im Labor – war das ein wunderschöner, friedlicher Platz.

Prof. … wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil …

Hier fällt mir die Wahl wirklich schwer. Als Mentoren, die mich im Studium motiviert haben, werde ich nie die Professoren Liptay, Gütlich, Luckenbach und Fahr vergessen. Aber wenn ich einen herausheben sollte, der mich auch in der Forschungsphase mehr geprägt hat: Prof. Günter Herrmann, der Direktor des Instituts für Kernchemie, zugleich auch Bereichsleiter bei der GSI in Darmstadt. Ein hervorragender Wissenschaftler, aber gleichzeitig großzügig, gelassen, mit dem Blick für‘s Wichtige, ich hatte immer Vertrauensvorschuss, ein guter Ratgeber, kluger Taktierer, ein heiterer Mensch, ein hervorragender Koch, Weinliebhaber und vieles mehr.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe, ist …

dass man sich durchbeißen muss, wenn es schwierig und anstrengend wird. Hartnäckig weitermachen, die anderen kochen auch nur mit Wasser, auch wenn es manchmal auf den ersten Blick nicht so scheint. Auf seine Fähigkeiten vertrauen zu lernen.

Das würde ich heutigen Studierenden mit auf den Weg geben:

Zum einen, versucht rauszufinden, ob Euer Studienfach genau das ist, was Ihr machen wollt und was Euren Fähigkeiten am besten entspricht. Wir bringen so viel unserer Lebenszeit damit zu, dass das essentiell ist. Und dann zum anderen, für die längerfristige Berufs- und Lebensplanung: Es ist wichtig, dass jeder für sich die richtigen Prioritäten rausfindet. Beruf – Freizeit – Familie – Kinder… Es muss nicht jeder alles machen, aber es ist wichtig, dass jeder für sich die richtigen Prioritäten findet und sich daran orientiert.

Prof. Dr. Johanna Stachel, Physikerin, Jahrgang 1954, studierte Chemie und Physik an der ETH Zürich und an der JGU, wo sie 1978 mit dem Diplom abschloss und 1982 promoviert wurde. Von 1979 bis 1983 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Mainzer Institut für Kernchemie. Anschließend ging sie an die State University of New York in Stony Brook, wo sie nach einem Feodor-Lynen Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung die Professorenlaufbahn von Assistenzprofessorin, Associate Professor und von 1994 bis 1996 als Full Professor durchlaufen hat. Seit 1996 ist sie Professorin für Physik an der Universität Heidelberg.

Johanna Stachel forscht seit Beginn ihrer Karriere in internationalen Teams an Beschleunigerlabors in der Kern- und Teilchenphysik. Am Forschungszentrum CERN in Genf ist sie seit 2000 Projektleiterin bei ALICE (A Large Ion Collider Experiment), einem Experiment der Teilchenphysik, in dem das Quark-Gluon Plasma, ein Zustand der Materie unmittelbar nach dem Urknall, im Labor hergestellt wird.

Im Verlauf ihrer Karriere hat Johanna Stachel zahlreiche Funktionen in wissenschaftlichen Gesellschaften und Gremien übernommen, u. a. war sie von 2012 bis 2014 die erste Präsidentin der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, von 2000 bis 2006 war sie Mitglied des CERN Scientific Policy Committees des CERN Council. Sie war und ist auch Mitglied in mehreren Hochschulräten, z.B. zurzeit dem der TU Wien.

Johanna Stachel ist Fellow der American Physical Society und Mitglied u. a. der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Für ihre Leistungen erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Bundesverdienstorden, den Lise Meitner-Preis der Europäischen Physikalischen Gesellschaft und die Stern-Gerlach-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. 2014 wurde Johanna Stachel – als erste Frau – zum Ehrenmitglied des Physikalischen Vereins Frankfurt ernannt.

Bildquellen | Porträt: © Martin Fleck



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