Islamkunde, Islamische Philologie, Slavistik | 2011

Wenn ich an meine Zeit in Mainz und an der JGU denke, fällt mir als Erstes ein …

… wie gut mir die Fußläufigkeit auf dem JGU-Campus gefallen hat. In Erlangen bin ich gerne mit dem Rad von einem Standort zum nächsten gefahren. In Mainz dagegen hatte das Studium mit Ringvorlesungen, Mensa, Konversationskursen auf der Wiese vor dem Orientseminar, das heute leider nicht mehr steht, Bibliothek und Sportfechten ein eigenes Gelände, ähnlich wie an der geschundenen Universität Aleppo, an der ich ein Auslandssemester verbringen durfte, bevor der Krieg ausbrach.

Mein Lieblingsort auf dem Gutenberg-Campus war …

… das Uni-Kino in der Muschel. Die Vielfalt an Sprachen ist für mich ein wesentliches Element der universitären Bildung. Kino im Original erlaubt jedem ein ungezwungenes "Reinhören", bevor man die erste Grammatik in der Hand gehalten hat. Das Kino war damals ein Tor zur Welt – ähnlich, wie es das Streamen heute, in Zeiten der Reisebeschränkungen, geworden ist.

Prof. … wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil …

Prof. Kropp hat von seinen Studentinnen und Studenten Übertragungsleistungen eingeholt, wie es mir niemals sonst vorgekommen ist. Jede neue Erkenntnis war uns so ein Tor zu einer weiteren Welt an neuen Fragen, die erst gestellt werden mussten. In seinem breiten Spektrum der Disziplinen fand auch die Idee, in meiner Magisterarbeit die Texte der arabischen Nationalhymnen zu untersuchen, ihren Platz.

Prof. Goldt hat alle meine Kommilitoninnen und Kommilitonen und mich mit seiner unglaublichen Zugewandtheit berührt, so dass wir ihn selbst Jahre nach dem Studium unser Goldtstück nennen. Von der ersten Vorlesung an konnte er nicht nur die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer beim Namen nennen, sondern ist auch noch auf ihre fachlichen Belange und Fragen zur persönlichen Entwicklung im Studium und darüber hinaus eingegangen, ohne die Bereiche zu vermengen.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe, ist …

Es lohnt sich stets zu prüfen, ob man die richtige Frage gestellt hat.

Das würde ich heutigen Studierenden mit auf den Weg geben:

„Gebraucht der Zeit, sie geht so schnell von hinnen, doch Ordnung lehrt Euch Zeit gewinnen“, ließ Goethe den Mephistopheles in seinem "Faust" sagen.

Aber machen wir uns nichts vor: Einen Jubiläumsband werden die wenigsten Studierenden in die Hand nehmen und das zu Recht, denn durch den Bologna-Prozess ist Zeit, einst das wichtigste Gut im Studie-rendenleben, zu einem knappen Reichtum geworden. Und doch: lesen Sie in der Arbeitsphase zuerst das Inhaltsverzeichnis, dann die Quellen. Bei mancher Monographie mit vielversprechendem Namen erübrigt sich dann die Lektüre im Ganzen.

Jonas Eberlein, Radverkehrsplaner, Jahrgang 1985, studierte bis zur Zwischenprüfung 2008 an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Islamwissenschaft und Wirtschaftswissenschaften, um dann an der JGU sein Studium mit den Fächern Islamkunde, Islamische Philologie und Slavistik fortzusetzen. Er lernte Russisch und arbeitete nach erfolgreichem Magisterabschluss im Jahr 2011 ab 2012 im Moskauer Büro des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD).

2018 wechselte er zum Planungsbüro VAR+ (Darmstadt), das Radverkehrskonzepte entwickelt. Seit 2020 arbeitet Jonas Eberlein bei „Hessen Mobil“ der Hessischen Landesregierung in einer Steuerungsgruppe, die Strategien zur Umsetzung verkehrspolitischer Ziele zum Radverkehr entwickelt und koordiniert. Für die beiden letztgenannten Arbeitgeber reiste er in verschiedene Länder der ehemaligen UdSSR, um dort den Ausbau der Fahrradmobilität zu unterstützen. Privat engagiert sich Jonas Eberlein u. a. im Team von „Tandem Crossover“, einer Initiative, die unter dem Motto "creating cities for people" von Politik und Verwaltung Verkehrsplanung für Menschen einfordert.

Bildquellen | Porträt: © David Grünewald



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