Mathematik, Physik, Politikwissenschaft, Pädagogik | 1974

Wenn ich an meine Zeit in Mainz und an der JGU denke, fällt mir als Erstes ein …

Meine erste Chemievorlesung – es blitzte und krachte. Von da ab wollte ich den Dingen auf den Grund gehen. Die Gemeinschaft im Studentenwohnheim Newman Haus mit den berühmten Flurfesten und echtem ungarischen Gulasch. Der tägliche Austausch mit Kommilitoninnen und Kommilitonen aus aller Welt, der den Blick öffnete.

Mein Lieblingsort auf dem Gutenberg-Campus war…

Die Cafeteria im Philosophicum – der Treffpunkt zwischen Vorlesungen und Seminaren: Dort haben wir diskutiert, Pläne geschmiedet, Freundschaften geschlossen oder einfach nur ausgespannt und einen Kaffee getrunken.

Prof. … wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil …

Mit Begeisterung und großer Hochachtung für seine wissenschaftliche Expertise und Vermittlungsfähigkeit denke ich an Prof. Dr. Hans Buchheim. In seinen politikwissenschaftlichen Seminaren hat er uns den unschätzbaren Wert unserer demokratischen Verfassung nahegebracht. So hat er sicherlich seinen Anteil daran, dass ich später den Sprung von der Wissenschaft in die Politik gewagt habe.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe, ist…

die Bereitschaft, auch komplexe Fragen anzupacken und nach Lösungen zu suchen. Durch mein Studium an der Universität Mainz habe ich gelernt, Probleme zu analysieren, Alternativen gegeneinander abzuwägen, Gedanken und Ideen mit anderen auszutauschen, neue Wege auszuloten und beharrlich am Ball zu bleiben. Zugleich habe ich erfahren, dass Wissenschaft und Forschung uns neue Türen öffnen. Dies hat mich beispielsweise bei der ethisch schwierigen Gesetzgebung für die Stammzellforschung geleitet.

Das würde ich heutigen Studierenden mit auf den Weg geben:

Seid stets neugierig. Habt Freude an allem, was ihr tut. Seid Euch aber auch bewusst, dass fundiertes Wissen dafür entscheidend ist.

Prof. Dr. Maria Böhmer, Politikerin (CDU), Jahrgang 1950, studierte ab 1968 an der JGU Mathematik, Physik, Politikwissenschaft und Pädagogik und schloss 1971 mit dem Staatsexamen ab. Es folgte die Promotion in Pädagogik 1974. Nach Forschungsaufenthalten in Cambridge und an der Universität Augsburg kam sie an die JGU zurück und habilitierte sich hier im Jahr 1982. Seit 2001 ist sie Professorin für Pädagogik in Heidelberg.

Maria Böhmer war von 1982 bis 1990 die erste Landesfrauenbeauftragte in Rheinland-Pfalz. Seit 1985 ist sie CDU-Mitglied und hatte verschiedene Parteiämter inne, unter anderem gehörte sie von 1994 bis 2018 dem CDU-Bundesvorstand an.

Von 1990 bis 2017 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 2005 bis 2013 war sie Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration. Im Anschluss bis 2018 war sie als Staatsministerin im Auswärtigen Amt für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik, für die Vereinten Nationen, Außenwirtschaft und Fragen der nachhaltigen Entwicklung zuständig. Im Juni 2018 wurde sie zur Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission gewählt.

Maria Böhmer hat 2002 das Stammzellgesetz auf den Weg gebracht. Sie hat entscheidend zur Verbesserung der Anerkennung von Kindererziehungszeiten in der Rente beigetragen. Ein Projekt, das sie beharrlich verfolgt hat, bis die sog. „Mütterrente“ 2014 im Deutschen Bundestag umgesetzt wurde.

Sie hat zahlreiche Ehrenämter inne und ist u. a. stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der gemeinnützigen Hertie-Stiftung, Vorsitzende des Kuratoriums der Deutschlandstiftung Integration und Mitglied des Programmbeirats von ARTE GEIE. Für ihr Wirken wurde Maria Böhmer mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz (2004) und dem Honorary Award – Order of Australia (2016). In Anerkennung ihrer außerordentlichen Verdienste um die kulturelle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich wurde sie 2017 zum „Officier de l’ordre des Arts et des Lettres“ ernannt.

Bildquellen | Porträt: © Deutsche UNESCO-Kommission / Kornelia Danetzki



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