Theaterwissenschaft, Philosophie, Psychologie, Kriminologie, Literatur, Musikgeschichte | Studium ab 1950

Wenn ich an meine Zeit in Mainz und an der JGU denke, fällt mir als Erstes ein …

Wenn ich an meine Zeit in Mainz und an der JGU denke, fällt mir als Erstes ein: Bilder der noch halb zerstörten Innenstadt, harte Hungerzeit in der ersten Bude in der Barackensiedlung am Fort Gonsenheim, dann erste Vorlesungen, Begegnungen, der schon berühmte Hanns Dieter Hüsch, rothaarig, leicht humpelnd; der mittägliche Gang zur Gulaschkanone der Hoover-Speisung („Was es gibt, ihr könnt es raten: Wieder Nudeln mit Tomaten!“), dann die Jobs während der Semesterferien, beim Bau der Schott-Werke, Boxkämpfe in der Uni-Boxstaffel und allererste Versuche als Schauspieler im Studententheater ....

Mein Lieblingsort auf dem Gutenberg-Campus war …

Mein Lieblingsort auf dem Gutenberg-Campus war als Treffpunkt die große Treppe zu den beiden großen Auditorien, Ausruhen in der Sonne in den Pausen zwischen den Vorlesungen.

Prof. … wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil …

Prof. Karl Holzamer wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil er mir schon während meines Studiums und mehr noch später als erster Intendant des ZDF ein väterlicher Mentor wurde und blieb.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe, ist …

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe, ist die tiefe Dankbarkeit für die Rettungstat für das ganze spätere Leben, welche die JGUniversität für die noch durch Nazi- und Nachkriegszeit beschädigten jungen Menschen meiner Generation leistete.

Das würde ich heutigen Studierenden mit auf den Weg geben:

Das würde ich heutigen Studierenden mit auf den Weg geben: Sich neben und während ihres heute immer enger auf einen Beruf ausgerichteten Studiums eine solide Allgemeinbildung anzueignen: Studium generale.

Dr. h. c. Mario Adorf gehört zu den wenigen deutschen Weltstars und prägt die deutsche und europäische Film- und Theatergeschichte seit Jahrzehnten. Er wurde 1930 in Zürich geboren und wuchs in Mayen (Eifel) auf. Von 1950 bis 1953 studierte er an der JGU unter anderem Theaterwissenschaft und Philosophie. Mit besonderem Interesse hörte er damals die Vorlesungen des Philosophen Karl Holzamer und des Psychologen Albert Wellek, er engagierte sich in der Boxstaffel der JGU und stand bereits auf der Studentenbühne.

Später studierte Mario Adorf in Zürich weiter und absolvierte schließlich in München eine Schauspielausbildung an der Otto Falckenberg-Schule. Erste Rollen übernahm er an den Münchner Kammerspielen. Im Lauf seiner Karriere spielte er über 200 Charakterrollen in Filmen und Theaterstücken und arbeitete u. a. mit den Regisseuren Sam Peckinpah, Billy Wilder und Claude Chabrol, mit Volker Schöndorff, Helmut Dietl, Rainer Werner Fassbinder und Edgar Reitz zusammen. Mario Adorf spricht neben Deutsch perfekt Englisch, Französisch und Italienisch und ist auch als Chansonnier, Entertainer und Autor erfolgreich.

Für seine herausragende Arbeit hat Mario Adorf alle wichtigen Preise der Branche erhalten, darunter den Grimme-Preis, mehrfach den Deutschen Filmpreis, mehrfach den Bambi, mehrfach die Goldene Kamera. 2001 wurde er mit dem Großen Bundesverdienstkreuz, 2005 mit dem Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Seit 2001 ist er Ehrenbürger von Mayen. Über all die Jahre hat Mario Adorf Kontakt zu seiner Universität gehalten. Für sein Lebenswerk hat ihm die JGU im Jahr 2010 die Ehrendoktorwürde verliehen.

Über seine einzigartige Karriere, seine Sicht auf die Welt und seine Leidenschaft für Bühne und Leinwand sowie das Schreiben von Geschichten gibt der 2019 erschienene Kino-Dokumentarfilm „Es hätte schlimmer kommen können“ des Regisseurs Dominik Wessely Auskunft.

Bildquellen | Porträt: © Nik Konietzny



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