Medizin | 1976

Wenn ich an meine Zeit in Mainz und an der JGU denke, fällt mir als Erstes ein …

Wenn ich an meine Zeit als Student in Mainz an der JGU denke, erinnere ich mich noch gut an meine Einschreibung im Jahre 1970, an mein vorklinisches Studium auf dem Campus mit Grundlagenfächern wie Chemie und Physik sowie den Präparationskurs in der Anatomie und an die experimentelle Doktorarbeit am Institut für Pharmakologie im Hochhaus am Augustusplatz. Auch denke ich an die intensiven gemeinsamen Examensvorbereitungen in der Vierergruppe (Vorphysikum, Physikum, Staatsexamen) nach alter Approbationsordnung für Ärzte.

Mein Lieblingsort auf dem Gutenberg-Campus war …

Meine Lieblingsorte auf dem Gutenberg-Campus waren der Vorplatz vor dem (alten) Mensagebäude als Treffpunkt mit Kommilitonen und Kommilitoninnen sowie das italienische Restaurant im (alten) Mensagebäude, betrieben als Zweigstelle eines beliebten italienischen Restaurants am Neubrunnenplatz.

Prof. … wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil …

Mehrere Professoren sind mir im Gedächtnis geblieben. Aus der Vorklinik Prof. Anton Mayet aus der Anatomie; sein Sohn wurde später Kollege und Freund an der „I. Med.“. Dann Prof. Klaus Beyermann, er hielt am 16. Oktober 1970 meine erste Vorlesung auf dem JGU Campus überhaupt, „Chemie für Mediziner“. Dabei lernte ich spätere Kollegen kennen, die noch heute zu meinem engen Freundeskreis gehören. Aus dem klinischen Studium möchte ich mehrere prägende Persönlichkeiten hervorheben. Dazu gehören Prof. Paul Schölmerich, nach dem Studium mein erster Chef, und Prof. Karl Hermann Meyer zum Büschenfelde, der mein akademischer Mentor wurde und dessen Vorlesung am Mittwochnachmittag „Differentialdiagnose Innere Medizin“ sich besonderer Beliebtheit erfreute. In den klinisch theoretischen Fächern war es Prof. Paul Klein, Mikrobiologie; eine prägende akademische Persönlichkeit, die viele Studierende für die Wissenschaft begeistern konnte. Er wurde später mein erster SFB Sprecher. Schließlich Prof. Muscholl, Pharmakologie, mein Doktorvater.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe, ist …

Aus der Studienzeit habe ich eine gute wissenschaftliche Basis mitgenommen für meine spätere Laufbahn als Arzt und klinischer Wissenschaftler oder, wie man heute sagt, „Clinician Scientist“. Dabei ist die Bedeutung prägender akademischer Persönlichkeiten aus der Professorenschaft nicht zu unterschätzen. Darüber hinaus entstanden feste Freundschaften, zum Teil aus den ersten Semestern, dann vor allem auch durch die enge Zusammenarbeit vor und während der verschiedenen Examina sowie später als Arzt am Universitätsklinikum der JGU. Diese Freundschaften bestehen bis heute und es finden noch jährliche Treffen statt. Die Verbindung zu Mainz lebt weiterhin auch durch einen in Freundschaft verbundenen Kollegenkreis, der seine akademischen Wurzeln in Mainz hat und dann leitende Positionen in der Hochschulmedizin im In- und Ausland übernommen hat. Eine jährliche gemeinsame Sitzung beim Mainzer Carneval-Verein MCV gehört zum Pflichtprogramm.

Das würde ich heutigen Studierenden mit auf den Weg geben:

Das Medizinstudium ist eine theoretische Vorbildung, die eigentliche Berufsausbildung stellt die Facharztausbildung dar. Beides hat seinen Stellenwert und seine Bedeutung. Krankheiten kennen keine Grenzen, ebenso wenig wie deren Erforschung. Es gibt nur eine globale internationale Medizin, genauso wie es auch nur eine internationale Forschung gibt. Deshalb sind auch der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus und eine gelebte Internationalität von ganz entscheidender Bedeutung; so wurde in den Lebenswissenschaften die englische Sprache zur zweiten Muttersprache. Wissenschaft und Internationalität schaffen Toleranz und Frieden, nicht nur an einer Universität, die von einer Besatzungsmacht geschlossen und nach einem Krieg wiedereröffnet wurde, vor 75 Jahren ! Unsere JGU ! Trotz einer zunehmenden Verschulung des Studiums, nicht zuletzt des Medizinstudiums, sollte die Möglichkeit eines Studienplatzwechsels, vor allem eines Auslandstudiums, erhalten und genutzt werden. Heimatverbundenheit und Internationalität sind keine Widersprüche, sondern ergänzen sich zu weltoffenem Denken und Toleranz. Mainz, die JGU und die hier gelebte Lebensfreude bieten dafür ein gutes Umfeld – auch im Rückblick.

Prof. Dr. med. Michael Manns, Internist, Gastroenterologe, Hochschullehrer und Wissenschaftsmanager, 1951 in Koblenz geboren, ist seit 2019 Präsident der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Er studierte ab 1970 Medizin an der Universität Wien und an der JGU, wo er 1976 promoviert wurde. Die Facharztausbildung absolvierte er in Berlin und an der JGU. 1986 wurde er in Mainz zum Professor für Innere Medizin ernannt. Von 1987 bis 1988 war er Research Associate an der Scripps Clinic and Research Foundation, La Jolla, USA. Von 1991 bis 2020 war Michael Manns Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der MHH, von 2015 bis 2018 zugleich klinischer Direktor des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig sowie Direktor des Zentrums für Individualisierte Infektionsmedizin (CIIM), Hannover.

Michael Manns‘ besonderes Interesse gilt Lebererkrankungen, der Infektiologie, der Gastrointestinalen Onkologie und der Transplantationsmedizin. Bislang hat er mehr als 1.000 Publikationen in renommierten Fachzeitschriften vorgelegt und gehört zu den Top 1 % der meistzitierten Wissenschaftler im Bereich der klinischen Medizin (nach Thomson Reuters).

Michael Manns ist Mitglied zahlreicher Fachgesellschaften, u. a. ist er Gründer und Vorstandsvorsitzender des Kompetenznetz Hepatitis (Hep-Net), der Deutschen Leberstiftung und war Präsident der Deutschen Arbeitsgemeinschaft zum Studium der Leber (GASL) 2013, der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) 2014 und der United European Gastroenterology (UEG) von 2015 bis 2017. Seit 2002 ist Michael Manns Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (Nationale Akademie der Wissenschaften), Halle, seit 2004 der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, seit 2012 korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz und war 2015 - 2020 Mitglied im Scientific Panel for Health (SPH) der Europäischen Kommission. Er ist Vorstandsmitglied der Boehringer Ingelheim Stiftung (seit 2013) und als Mitglied im Aufsichtsrat der Universitätsmedizin Mainz (seit 2009) der JGU weiterhin verbunden. Michael Manns erhielt mehrere Auszeichnungen, u. a. den International Hans Popper Award 1995 und den Recognition Award der European Association for the Study of the Liver (EASL) 2007.

Michael Manns ist seit 1976 verheiratet mit Cornelia Manns geb. Göbel, Studienrätin und ebenfalls Gutenberg-Alumna. Das Paar hat vier erwachsene Töchter und fünf Enkelkinder.

Bildquellen | Porträt: © MHH/ Karin Kaiser



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