Mathematik | 1992

Wenn ich an meine Zeit in Mainz und an der JGU denke, fällt mir als Erstes ein …

unsere Lerngruppe mit Stephan Klaus und Bardo Wolf, mit täglichen Treffen, Spaghetti-Kochen und langen Diskussionen über unsere Vorlesungen, aber auch über Gott und die Welt. Insbesondere Stephans Überlegungen zur Relativitätstheorie und Quantenfeldtheorie, nur in der Sprache der Mathematik formulierbar, haben mich beim schwierigen Studium mit seinen intensiven Lernphasen immer wieder motiviert.

Mein Lieblingsort auf dem Gutenberg-Campus war …

die Muschel, drei riesige Hörsäle in einem interessant gekrümmten Gebäude ohne Ecken, wo ich zwei Jahre lang jeden Morgen um 8h in den Mathe-Vorlesungen saß, wo aber am Abend auch die verschiedenen Fachschaften ihre Partys organisierten …

Prof. … wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil …

Matthias Kreck habe ich beim „Kaffeetrinken mit den Professoren” im Vorkurs, also schon vor Beginn des Studiums, kennengelernt, und wir sind bis heute in intensivem Kontakt, privat und mathematisch. Er konnte seine Forschung in der Topologie wunderbar motivieren, war auch in der Friedensbewegung aktiv, und hat mich und meine Lerngruppe in beidem mitgerissen.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe, ist …

Die intensivsten Kontakte mit Kommilitonen und Lehrern können ein Leben lang halten, es ist wichtig, die richtige Auswahl treffen, sowohl menschlich als auch inhaltlich. Dann wird das Studium zum Selbstläufer und man hat Unterstützung für immer.

Das würde ich heutigen Studierenden mit auf den Weg geben:

Ein Studium beinhaltet zweimal pro Semester eine Art Abiturprüfung, für die man sich sehr gründlich vorbereiten muss, wie jeder Schüler weiß. Man muss unbedingt ein Fach finden, das einen total interessiert und fasziniert, sodass man nicht merkt, wie viel Zeit beim Lernen vergeht. In einem solchen Fach wird man erfolgreich sein, während und nach dem Studium.

Prof. Dr. Peter Teichner, Direktor am Max-Planck-Institut (MPI) für Mathematik in Bonn, Jahrgang 1963. Er studierte Mathematik an der JGU und erhielt sein Diplom 1988. Im Anschluss ging er mit einem Government of Canada Award an die McMaster University in Hamilton. Anschließend war er am MPI für Mathematik, danach an der JGU als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig und wurde im Jahr 1992 hier promoviert, ausgezeichnet mit dem Preis für die beste JGU-Dissertation des Jahres.

Von 1992 bis 1995 forschte er mit dem Feodor Lynen-Stipendium der Humboldt-Stiftung an der University of California (UC) San Diego, gemeinsam mit Mike Freedman. Weitere Postdoc-Stationen umfassen das Institut des Hautes Études Scientifiques in Paris (1995 und 2007) und ein Miller Fellowship in Berkeley (1996-1997). An der UC San Diego war er ab 1996 zunächst Associate Professor, ab 1999 Professor. Von 2004 bis 2018 war Peter Teichner Professor an der UC Berkeley, seit 2008 ist er Direktor am MPI für Mathematik in Bonn, zurzeit gemeinsam mit Gerd Faltings und Peter Scholze.

Peter Teichner forscht an Fragestellungen der Topologie, einer mathematischen Disziplin, die sich mit qualitativen Eigenschaften geometrischer Gebilde befasst, z. B. von unserer Raum-Zeit. Er hat Beiträge zur Klassifikation aller 4-dimensionalen Mannigfaltigkeiten geleistet und war infolgedessen eingeladener Sprecher beim Internationalen Congress der Mathematiker 2002 in Peking. Neben der Forschung verbringt er seine Arbeitszeit am liebsten mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs; viele seiner ehemaligen Doktoranden arbeiten an Universitäten weltweit.

people.mpim-bonn.mpg.de | Peter Teichner

Bildquellen | Porträt: © Anna Teichner



Zurück zur Übersicht | „75 aus 75“