Germanistik, Philosophie, Kunstgeschichte | 1992

Wenn ich an meine Zeit in Mainz und an der JGU denke, fällt mir als Erstes ein …

Das Gefühl von Freiheit, Stolz und Freude nun für mich selbst verantwortlich zu sein. Das Gefühl von Last, Verzagtheit und Ängstlichkeit nun für mich selbst verantwortlich zu sein. Und meine wunderbaren Freund*innen, die mich durch die Hochs und Tiefs meines Studiums getragen haben, insbesondere die beide Matthiasse.

Mein Lieblingsort auf dem Gutenberg-Campus war …

Es gab drei Lieblingsplätze. Die Fachbereichs- bzw. Unibibliothek, in denen ich viele, viele Stunden über großartiger Literatur und an-, manchmal auch aufregender Sekundärliteratur brüten durfte. Das Atrium als Treffpunkt und Informationsbörse. Der Botanische Garten, in dem ich mich zum Luftschnappen und Schwatzen mit meinen Freund*innen verabredet habe. Und von dort aus war es dann auch nicht mehr so weit bis zu den Sportplätzen vom USC Mainz e.V., wo damals die Zehnkämpfer rund um Siggi Wentz trainierten …

Prof. … wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil …

Prof. Dr. Hartwig Schultz wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil er mir die Welt der Romantik erschlossen und sein Vertrauen geschenkt hat, wissenschaftlich vertieft und gleichzeitig praktisch zu arbeiten – im Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt, wo er damals die Herausgabe der Frankfurter Brentano-Ausgabe geleitetet hat. Diese Erfahrung hat meinen gesamten Lebens- und Berufsweg geprägt.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe, ist …

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe ist, dass man nur begrenzt seines eigenen Glückes Schmied ist. In der eigenen Verantwortung liegt es, seine Fähigkeiten, aber vor allem Einsatz, Engagement, harte Arbeit, Fleiß, Begeisterung für die Sache sowie Durchhaltevermögen und Zuversicht einzubringen. Daneben braucht es aber auch das Zusammentreffen mit den richtigen Menschen zur richtigen Zeit, Unterstützung durch Team und Netzwerk und manchmal einfach ein wenig Glück. Wichtig ist, Chancen, die sich bieten, auch zu ergreifen.

Das würde ich heutigen Studierenden mit auf den Weg geben:

Heutigen Studierenden möchte ich mit auf den Weg geben: Glaubt an Euch, erkennt Eure Stärken und setzt auf sie, seid mutig und neugierig und gebt vor allem nicht auf, wenn der Weg steinig wird. Es kommen auch wieder geradere und weniger mühsame Stellen.

Dr. Sabine Schormann, Kulturmanagerin, Jahrgang 1962, ist Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH. Sie studierte von 1981 bis 1987 an der JGU Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte und wurde hier 1992 promoviert. Bereits als Doktorandin arbeitete sie am Goethe-Museum/Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt am Main und kuratierte erste Ausstellungen. 1992 ging sie zur Deutschen Stiftung Denkmalschutz nach Bonn, wo sie unter anderem den Tag des offenen Denkmals als Projektleiterin mitinitiierte und zu einer bundesweiten Institution entwickelte. Sabine Schormann leitete ab 1996 die Ausstellungen „Planet of Visions“ und „Das 21. Jahrhundert“ für den Themenpark der EXPO 2000 in Hannover und war danach von 2000 bis 2018 Direktorin der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der VGH-Stiftung, zwei große Förderstiftungen, die Bildende Kunst, Musik, Museen, Denkmalpflege und Literatur in Niedersachsen unterstützen und eigene Projekte wie die Niedersächsischen Musiktage oder das Literaturfest Niedersachsen durchführen.

2018 wurde Sabine Schormann zur Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH in Kassel berufen. Sie verantwortet damit die weltweit größte und bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Die documenta fifteen wird vom indonesischen Künstlerkollektiv ruangrupa gestaltet und ist für 2022 geplant.

Bildquellen | Porträt: © Harry Soremsky



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