Anthropologie, Ägyptologie | 2013

Wenn ich an meine Zeit in Mainz und an der JGU denke, fällt mir als Erstes ein …

… der breite Aufweg, der zum großen Torbogen des Forums hinaufführt. Dieser weitläufig einladende Eingangsbereich des Campus beeindruckte mich bei meinem ersten Besuch ganz besonders, dazu die vielen Studierenden und Gebäude mit unterschiedlichsten Fachbereichen. Zum Uni-Start war dies einerseits aufregend, andererseits aber auch ein bisschen einschüchternd, und hin und wieder sogar begleitet von der Frage, ob das Studium für mich das Richtige und zu schaffen sei. Zurückblickend auf diese anfänglichen Zweifel erfüllt es mich heute mit großer Freude, die Herausforderungen des Studiums gemeistert und erfolgreich abgeschlossen zu haben.

Mein Lieblingsort auf dem Gutenberg-Campus war …

… das osteologische Labor im Philosophicum, welches heute leider nicht mehr existiert. Insbesondere diejenigen Studierenden der Anthropologie, die sich auf die Untersuchung skelettierter menschlicher Überreste aus vergangenen Zeiten von archäologischen Grabungen spezialisierten, verbrachten dort in der Regel viel Zeit, vor allem in der Abschlussphase ihres Studiums. Für mich war das Labor nicht nur ein prägender Ort meiner wissenschaftlichen Ausbildung, sondern auch ein Treffpunkt mit Freunden zum vielfältigen Austausch, an den ich mich sehr gern erinnere.

Prof. … wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil …

Prof. Dr. Kurt W. Alt wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil seine im persönlichen Gespräch formulierte Einschätzung, Mumienforschung werde maßgeblich von Medizinern betrieben, zwar nicht falsch ist, in meinem Fall aber letztlich glücklicherweise nicht zutraf. Auch als Nichtmedizinerin erhielt ich die Chance, mumifizierte Überreste von Menschen aus vergangenen Kulturen zu untersuchen. Ihre Erforschung mit modernen Methoden aus unterschiedlichen Fachbereichen, etwa der Medizin, Anthropologie, Molekulargenetik, Datierung und Bioarchäometrie ermöglicht es heute, die Lebensweisen, körperlichen Belastungen, Erkrankungen und Bestattungsbräuche der Menschen zu rekonstruieren.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe, ist …

Durchhalten und abschließen.

Das würde ich heutigen Studierenden mit auf den Weg geben:

Es sind unter anderem geisteswissenschaftliche Fachrichtungen, mehr noch so genannte Orchideenfächer, denen allgemein eher mäßige Aussichten bei der Jobsuche zugesprochen werden, und nach deren Studienabschluss häufig ein hohes Maß an Flexibilität gefragt ist. Glücklicherweise gibt es sie auch hier – die Chancen auf den Traumjob. Wenn man eine große Begeisterung für ein bestimmtes Themengebiet verspürt, kann es kaum falsch sein, dieser zu folgen. Die Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt sollten nicht das Hauptkriterium bei der Wahl des Studienfaches sein, finde ich, um sich nicht später die Frage zu stellen „Was wäre gewesen, wenn …?“.

Stephanie Zesch, Mumienforscherin, Jahrgang 1986, hat an der JGU Anthropologie und Ägyptologie studiert und ihr Studium mit einer Arbeit zu menschlichen Skeletten aus einer mittelneolithischen Kollektivgrabstätte nahe Burgos (Spanien) im Jahr 2013 mit dem Magisterexamen abgeschlossen.

Seit 2014 ist sie Mitarbeiterin im German Mummy Project der Curt-Engelhorn-Stiftung für die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. Sie kuratierte dort die Ausstellung „Mumien – Geheimnisse des Lebens“, die von September 2018 bis März 2019 zu sehen war. Das German Mummy Project ist eines der größten Projekte zur Erforschung von Mumien weltweit: Ein internationales und interdisziplinäres Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern untersucht rund 100 Mumienfunde aus unterschiedlichen Museen und Sammlungen mit Hilfe modernster medizinisch-naturwissenschaftlicher Methoden.

Stephanie Zesch promoviert seit 2016 an der JGU über altägyptische Kindermumien.

Bildquellen | Portrait: © S. Zesch



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