Amerikanistik, Anglistik, Romanistik, Journalistik, Filmwissenschaft | 1994

Wenn ich an meine Zeit in Mainz und an der JGU denke, fällt mir als Erstes ein, …

dass ich mich – obwohl mein erstes Semester in einen außergewöhnlich kalten und schneereichen Winter fiel – in der neuen, ungewohnten Umgebung gleich wohl fühlte. Ich hatte die Universität zwar nach fachlichen Kriterien gewählt, doch ist mir die Rhein-Main-Region seither so ans Herz gewachsen, dass ich auch nach der Studienzeit nicht mehr fortgezogen bin. Die Universität war ein Ort, den ich jeden Tag mit Freude aufsuchte – selbst viele Jahre später noch mit meiner (damals) kleinen Tochter im Rahmen der „KinderUni“. Vielleicht schaue ich bald mit den Enkelinnen mal wieder vorbei.

Mein Lieblingsort auf dem Gutenberg-Campus war …

der Innenhof des Philosophicums. Im Sommersemester konnte man hier in den Pausen entspannen, Frischluft „tanken” und die Sonne genießen. Tatsächlich tummelten sich hier aber auch Kaninchen und andere Kleintiere, die man von der Cafeteria aus zwischen den Pflanzen beobachten konnte, wenn das Wetter einmal weniger einladend für Aufenthalte im Freien war. Und auch verschneit brachte der Innenhof ein Stückchen Natur an die Uni, das man in teils fensterlosen Hörsälen leider oft vermisste.

Prof. … wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil …

Herget … er als Doktorvater den Mut hatte, mein recht eigenwilliges Dissertationsprojekt zu begleiten und zu unterstützen, auch wenn es thematisch ein wenig aus dem sprichwörtlichen Rahmen fiel und sich nicht mit seinen eigenen Forschungsschwerpunkten deckte. Er zeigte sich (ebenso wie andere Dozenten der Fachschaft) während meines gesamten Studiums meinen Ideen gegenüber aufgeschlossen, audiovisuelle Medien in den literaturwissenschaftlichen Diskurs vollwertig einzubeziehen – Vorstellungen, die zu dieser Zeit längst nicht überall Akzeptanz fanden. Wären meine Einfälle auf weniger fruchtbaren Boden gefallen, hätte ich mein Promotionsvorhaben wohl niemals so verwirklichen können. Und auch wenn ich nicht im akademischen Umfeld geblieben bin, bildet meine umfangreiche Forschung in Film und Fernsehen bis heute eine wichtige Grundlage meiner Arbeit.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe, ist …

neben dem Fachwissen die Arbeitsmethodik, sich Nah- und Fernziele zu stecken und diese dann konsequent zu verfolgen, ohne sich ablenken und vom eingeschlagenen Weg abbringen zu lassen. Diese Methode erfordert ein gewisses Maß an Selbstdisziplin und ist möglicherweise nicht für diejenigen geeignet, die besser unter „Druck von außen“ arbeiten, aber sie bietet eine gute Grundlage, wenn man später, wie ich, selbständig oder freiberuflich arbeiten möchte.

Das würde ich heutigen Studierenden mit auf den Weg geben:

Die Universität ist unverändert ein Ort, der freies und eigenständiges Denken fördern und nähren sollte. Nutzt die Freiheiten, die wir hierzulande genießen dürfen, und denkt selbst nach, wie es man es von gebildeten, intelligenten, verantwortungsbewussten Menschen erwarten sollte. Lasst Euch das Denken nicht abnehmen, bildet Euch eine eigene Meinung auf der Grundlage verlässlicher Informationen. Vertretet Eure Meinung, scheut nicht die Konfrontation mit Andersdenkenden, aber hört Euch auch deren Standpunkte an und verhaltet Euch im Umgang miteinander zivilisiert und respektvoll. Auf diese Weise kann die Universität auch in Zukunft Modell und Leitbild für die Gesellschaft sein – und Absolventen (beiderlei Geschlechts) hervorbringen, die die Welt zum Besseren verändern.

Dr. Thomas Kinne, der „Quizdoktor“, Jahrgang 1961, ist vielen Menschen als erfolgreicher Teilnehmer aus TV-Quizshows bekannt. Als „Jäger“ gehört er zur Stammbesetzung der ARD-Sendung „Gefragt – gejagt“. Thomas Kinne studierte an der JGU sowie in San Francisco Amerikanistik, Anglistik, Hispanistik, Journalistik und Filmwissenschaft und wurde 1994 mit einer Arbeit über Woody Allen promoviert.

Einer Stellenausschreibung folgend, die er im Philosophicum sah, war er einige Jahre beim Fremdenverkehrsamt der Seychellen beschäftigt und arbeitete anschließend im Tourismus-Marketing. Er ist heute hauptsächlich als Übersetzer von Sachbüchern, Drehbüchern, Werbe- und Pressetexten sowie für TV-Produktionsfirmen als freier Redakteur tätig. Viele Buch- und Fernsehproduktionen, an denen er beteiligt war, wurden international ausgezeichnet.

Nachdem er am Schwarzen Brett der Uni-Mensa einen Casting-Aufruf fand, tritt er seit 1991 regelmäßig in Quizshows auf, sogar schon in den USA. Thomas Kinne reist gerne und sammelt nebenbei Asterix-Bände – seine Sammlung umfasst rund 1.300 Exemplare in mehr als 140 Sprachen und gehört damit zu den umfangreichsten der Welt.

Bildquellen | Porträt: © Alisa Mewes



Zurück zur Übersicht | „75 aus 75“