Volkswirtschaftslehre | 1971

Wenn ich an meine Zeit in Mainz und an der JGU denke, fällt mir als Erstes …

meine Zeit am Lehrstuhl von Prof. Otto Gandenberger ein. Mit Heinz Grossekettler, später Professor in Münster, waren wir ein gut funktionierendes Team. Ich denke aber auch an meine ersten Tage an der Uni. 1964 trugen Studenten noch Jacke und Krawatte, obwohl die Tage sehr heiß waren. Vorlesung in BWL bei Prof. Schwantag: Ein „älteres Semester“ in den vorderen Reihen zog die Jacke aus. Da blickte Schwantag vom Blatt auf und sagte: „Herr Kollege, bleibt’s dabei?“

Mein Lieblingsort auf dem Gutenberg-Campus war …

die Seminarbibliothek der Fakultät. Hier konnte man einerseits ungestört arbeiten, alle benötigten Bücher/Kommentare/Zeitschriften waren vorhanden, andererseits fand man schnell Anschluss und Diskussionspartner. Auch das Forum vor der Mensa bot dafür ungezwungene Möglichkeiten.

Prof. … wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil …

Prof. Klaus Rose wird mir immer im Gedächtnis bleiben, weil ich ihn über meine gesamte Studien- und Assistentenzeit erlebte. Er war als ein begnadeter Pädagoge, der lebendige Vorlesungen hielt und auch komplizierten Lehrstoff gut vermitteln konnte, sehr schnell zu einem Vorbild geworden. Oftmals reichte der große Vorlesungssaal nicht aus. Natürlich bleibt mir auch Prof. Otto Gandenberger als mein Doktorvater, zu dem letztlich ein freundschaftliches Verhältnis entstand, in steter Erinnerung.

Das Wichtigste, was ich aus meiner Studienzeit mitgenommen habe, ist, …

dass man sich alles erarbeiten kann und nicht aufgeben darf, auch wenn man mal keinen Erfolg hat. Da man nicht immer alles voraussehen kann, muss man lernen, Probleme zu lösen. Das kam mir im Berufsleben später sehr häufig zugute.

Das würde ich heutigen Studierenden mit auf den Weg geben:

Lernt nicht allein. Schließt Euch mit anderen zu kleinen Teams zusammen. Probleme, an denen man arbeiten muss, erkennt man so leichter oder sieht sie überhaupt erst durch die anderen. Zwanglos können so auch Freundschaften entstehen, die ein Leben lang halten.

Dr. Dr. h. c. Ulf Böge, Volkswirt und ehemaliger Präsident des Bundeskartellamts, Jahrgang 1942, studierte ab 1964 Volkswirtschaftslehre an der JGU und an der Universität Bonn. Nach seinem Abschluss 1968 wurde er Assistent am JGU-Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft bei Prof. Otto Gandenberger und hier 1971 promoviert.

Nach 1972 arbeitete er als Referent im Bundesministerium für Wirtschaft und übernahm dort, nach verschiedenen weiteren beruflichen Stationen – so als Wirtschafts- und persönlicher Referent beim Bundespräsidenten Walter Scheel – die Leitung der Abteilung Energiepolitik sowie ein Jahr später die Leitung der Grundsatzabteilung. Er initiierte u. a. den von 52 Staaten unterzeichneten „Energie-Charta-Vertrag“ und das „Form für Zukunftsenergien“.

Im Jahr 2000 wurde Ulf Böge als erster Nichtjurist zum Präsidenten des Bundeskartellamts berufen. Die Leitung der obersten deutschen Wettbewerbsbehörde hatte er bis 2007 inne. In seiner Amtszeit hob er immer wieder die außerordentliche Bedeutung des Wettbewerbsprinzips für eine demokratisch-freiheitliche Gesellschaftsordnung hervor, führte die sog. „Bonusregelung“ zur besseren Aufdeckung von Kartellabsprachen ein, untersagte Fusionen, um die Entstehung von Marktmacht zu verhindern und bekämpfte ihren Missbrauch z. B. auf den Energiemärkten, was zu niedrigeren Energiepreisen zugunsten der Verbraucher führte. Ulf Böge war ab 2000 auch stellvertretender Vorsitzender des OECD-Competition Committee (CC) und ab 2004 Vorsitzender der Steering Group des International Competition Network (ICN), das er selbst mitinitiiert hatte.

Für seine Verdienste wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Großen Silbernen Ehrenzeichen mit Stern der Republik Österreich sowie der Ehrendoktorwürde der Universität Fribourg, Schweiz.

Bildquellen | Porträt: privat



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